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Der Bub von Stiege zwei

Robert Klement: Wie Jugendliche in schwieriger Lebenslage IS-Verbrechern auf den Leim gehen und in den Dschihad ziehen

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»Es ist immer noch besser, in Österreich im Gefängnis zu sitzen, als in Syrien im Krieg zu sein.« So denkt Ahmed Yilmaz, ein achtzehnjähriger Österreicher türkischer Herkunft, als er versucht, den IS-Milizen in Syrien zu entkommen, denen er sich in religiöser Verblendung angeschlossen hatte. Aus seiner behüteten Familie, in der man den Glauben nicht überbewertete, war er in die Welt islamistischer Fanatiker geflohen, an deren Grausamkeit sein gerade erst erworbenes Weltbild zerbrach. Was er im syrischen Rakka erlebt, konnte sein Gott Allah unmöglich befürworten. Doch als Ahmed dies dämmert, und er sich auf den Rückweg nach Europa macht, ist es für ihn bereits zu spät.


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* Robert Klement: Halbmond über Rakka. Verlag Jungbrunnen. 142 S., geb., 14,95 €.


Wie konnte aus dem »Bub von Stiege zwei«, wie ihn die Nachbarn nennen, nachdem sie von seinem Anschluss an eine Terrorgruppe erfuhren, ein radikaler Gotteskrieger werden? Einer, der freiwillig in einen Ort fährt, in dem er morgens um vier seinen Körper für den bewaffneten Kampf stählen muss. In dem Musik bei Todesstrafe verboten ist, Frauen und Kinder gequält werden, Brunnen vergiftet, Fußballspieler geköpft und angebliche Verräter bei lebendigem Leib in kochendes Wasser gestoßen werden. Warum?

Robert Klement, ein in St. Pölten geborener pensionierter Hauptschullehrer, schreibt seit den achtziger Jahren Bücher für Jugendliche. In seinem neuesten Werk beschäftigt er sich mit der »Verführung Dschihad«. Er schildert darin die Wege zweier Jugendlicher aus Wien, die den Verheißungen gewiefter Anwerber für den Islamischen Staat erliegen, ihre Familien verlassen und in Syrien in ihr Unglück laufen. Im Buch heißen sie Ahmed und Leila. Erzählt wird ihre Geschichte aus der Sicht des Freundes Nico, der den Anwerbungsversuchen des IS-Netzwerkes ebenfalls beinahe stattgibt, aber von seiner couragierten Mutter an der Ausreise nach Syrien gehindert wird, indem sie einfach den Pass ihres Sohnes an sich nimmt.

Einzelschicksale, möchte man meinen. Doch das stimmt leider nicht. Der britische »Guardian« berichtete vor einem Jahr von etwa 100 Schülerinnen aus Frankreich, 50 Jugendlichen aus Großbritannien und 40 aus Deutschland, die sich nach Syrien aufmachten oder demnächst dorthin ziehen wollen. Ingesamt sollen fast 3000 IS-Anhänger aus Ländern der Europäischen Union in Syrien leben. Besonders dramatisch wird der Zulauf aus Österreich geschildert. Sicherheitsexperten gehen von 130 IS-Fanatikern aus, die Dunkelziffer nicht eingerechnet.

Exemplarisch dafür steht das reale Schicksal zweier Mädchen aus Wien, über das 2015 in vielen Medien weltweit berichtet worden war, und das Klement als Vorbild für seinen Jugendroman wählte: Samra und Sabina, die man nie wieder sah. Klements Buch liest sich wie ein Krimi. Die pädagogischen Abschnitte nimmt man bei dem Thema gern in Kauf. Er schildert akribisch, wie junge Menschen in die Fänge islamistischer Verbrecher geraten, und wie diese ihre Netze spannen. - Lektüre, die Leben retten kann.

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