Von Christian Klemm

Noch Luft nach oben

Die Modeoffensive bei der Bundeswehr dient nur einem Zweck: Mehr Frauen sollen in die Truppe gelockt werden

Für gewöhnlich laufen Meldungen wie diese über Nachrichtenticker: 50 neue Hubschrauber für die Bundeswehr – Bundeswehr wird mit 150 neuen Leopard-Panzern ausgerüstet – Verteidigungsministerium erhält in den nächsten zehn Jahren 200 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt zusätzlich - Dienstgewehre der Truppe müssen wegen technischer Mängel ausgetauscht werden. Die Bundeswehr ist eine Armee im Auslandseinsatz, da entscheidet auch das Material über Leben und Tod der Männer und Frauen, die für unsere Sicherheit und Werte ihren Kopf hinhalten – so wird diese Geldverschwendung von den Verantwortlichen stets gerechtfertigt. Dieser Tage aber wird von einer Aufrüstung der anderen Art berichtet: Die »Staatsbürger in Uniform« – genauer: der weibliche Teil – bekommen neue Dienstkleidung.

Die Rede ist dabei nicht von schicken Stiefeln mit Schnürsenkeln, Kakihosen mit besonderem Flecktarnmuster oder Rucksäcken mit tollen Verschlüssen, sondern von Handtaschen, Sport-BHs und Pumps. Genaueres ist bereits durchgesickert: 7700 Taschen sollen bestellt werden, jeweils mit »rechteckiger Formgestaltung, formstabil«, einfarbig schwarz werden sie sein und Fächer für Schlüssel, Telefon und Hygieneartikel haben. Bei den Pumps soll es sich um ein schwarzes Modell mit einer Absatzhöhe von höchstens 4,5 Zentimetern handeln. Und bei den 20.000 benötigten BHs hat man sich nicht für die neueste Kollektion von Victoria Secret, sondern für eine Ausführung mit gutem Tragekomfort, ohne Bügel, blickdicht und in Schwarz entschieden, die beim Dienstsport und im Einsatz zur Kampfbekleidung getragen werden könne. Darüber hinaus ist die Anschaffung von Umstandsmode für schwangere Soldatinnen vorgesehen, heißt es weiter.

Niemand sollte sich von der neuen Dienstkleidung nicht in die Irre führen lassen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will mit der Modeoffensive nicht etwa die Gleichstellung der Frau weiter vorantreiben, sondern die Anzahl der Soldatinnen in der Truppe steigern. Der Grund: Die Truppenstärke nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Waren 2011 rund 213.000 Soldaten unter Waffen, sind es im aktuellen Jahr nur etwas mehr als 176.000. Für eine Armee, die die ganze Welt als ihr Operationsgebiet definiert, ist das zu wenig. Zumal die Bundesrepublik stärker als Global Player wahrgenommen werden möchte. Von den 176.000 sind etwa 13 Prozent Frauen. Da ist noch Luft nach oben.

Wenn also mehr Frauen in die Truppe gelockt werden sollen, was liegt dann näher, als die Arbeitsbedingungen anzupassen? Wenn Hauptfeldwebel Markus Krause morgens seine drei Runden um die Hindenburg-Kaserne joggt, dann muss Stabsunteroffizierin Juliane Kleinschmidt das auch können – und zwar mit einem BH, der gemütlich ist und nicht drückt. Und falls Krause Lust zum Empfang eingeladen ist, dann bei Bedarf mit Galauniform und Lackschuhen. Für Kleinschmidt soll das ebenfalls möglich sein. Und genau deshalb werden Handtaschen und Pumps bereitgestellt.

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