Christian Baron 19.10.2016 / Kultur

Joschka Fischer wäre entzückt

Ivan Panteleev gibt in seiner Inszenierung von Goethes »Iphigenie auf Tauris« am Berliner DT den zynischen Theater-Realo

Langsam rinnt der gepeinigten Blonden die Farbe vom Kopf. Sie gibt sich keine Mühe, ihr Leid zu verbergen. Dem Publikum zugewandt, verschmilzt der schmerzend starre Blick mit dem weinerlichen Singsang ihrer Stimme zu einer Symbiose. Wären die klumpigen Kleckse auf ihrem Haupt, ihren flehenden Händen und ihrem reinen Kleid nicht blütenweiß, sondern blutrot, manchem Zuschauer käme wohl die Galle hoch.

Klingt doch alles andere als langweilig, diese noch immer ganze Schülergenerationen quälende »Iphigenie auf Tauris«, mag man da denken. Dabei soll schon zu Goethes Zeiten die einschläfernde Wirkung des 1787 erschienenen Stücks beträchtlich gewesen sein. Und eigentlich sind sich die Intellektuellen bis heute einig: Das leblose Werk reißt niemanden vom Hocker. Seine Langlebigkeit verdankt sich den auf der Jagd nach künstlerischer Anerkennung reihenweise dem Originalitätssuchfieber anheimfallenden, brennend ehrgeizigen Regisseuren. Ein he...

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