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Das Saarland als Maß aller Dinge

Warum das kleinste Flächenland so häufig als Vergleichsgröße herhalten muss

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Jürgen Kummers Flächenumrechner im Netz ist mindestens so praktisch wie das Saarland selbst. In beiden Fällen hat das damit zu tun, dass der kleinste deutsche Flächenstaat etwas Kleines ist, durch das Größeres ganz schön groß rauskommt. Wer auf Kummers Seite zum Beispiel in die Zeile »Quadratkilometer« die Fläche der Vereinigten Staaten eingibt und auf »Ausrechnen« klickt, erfährt blitzschnell, dass die USA mit ihren annähernd zehn Millionen Quadratkilometern fast 3836 Mal so groß sind wie das rund 2570 Quadratkilometer messende deutsche Bundesland an der Saar - oder dass sie einer Fläche von rund 1,4 Milliarden Fußballfeldern entsprechen (wobei sich kaum so viele Fußbälle werden auftreiben lassen, um alle Plätze auch zu bespielen).

Kummer lebt in Bayern, genauer: im schwäbischen Landkreis Oberallgäu. Dass er in seinem Rechner nicht etwa den stolzen Freistaat als Vergleichsmaßstab gewählt hat, liegt nicht etwa daran, dass er ein Exil-Saarländer wäre. »Ich habe keine besondere Verbindung zum Saarland«, teilt der Internet- Dienstleister auf Anfrage mit. »Grund war tatsächlich nur, dass man in Medien oft Sätze hört wie ›so groß wie das Saarland‹«. Dieses ist übrigens rund 51 Mal so groß wie Kummers Wohnort, der Markt Buchenberg bei Kempten - samt seiner zugehörigen Orte, Weiler und Wälder.

Das Saarland als Maß vielleicht nicht aller, aber doch vieler Dinge? Damit liegt Jürgen Kummer goldrichtig: Tatsächlich wird kein anderes Bundesland derart häufig für Flächenvergleiche herangezogen. Das hat bereits 2011 das ZEIT-Magazin ermittelt. Und wer die Phrase »so groß wie das Saarland« durch die größte Suchmaschine im Netz jagt, stößt auf etwa 11 200 Fundstellen. Beispielsweise meldete der Nachrichtensender n-tv Ende 2013: »Die gesamte afghanische Anbaufläche erreicht fast die Ausdehnung des etwa 250 000 Hektar großen Saarlandes.« Auf Platz zwei der Vergleichsgrößen unter den Ländern kommt Bayern mit 7300 Nennungen.

Die Popularität des Saarlandes gerade bei Journalisten, die ihren Lesern immer wieder die Größe von Erdbebengebieten, Ölteppichen im Atlantik oder Kahlschlagflächen im Regenwald begreiflich machen müssen, ist für das Bundesland selbst allerdings ein zweischneidiges Vergnügen. Darauf hat schon Nicola Frank in ihrer Glosse über die »Maßeinheit Saarland« auf den Seiten der Gesellschaft für deutsche Sprache hingewiesen. Denn wer wird schon gerne immer wieder zusammen mit Naturkatastrophen oder heiklen Eingriffen des Menschen in die Ökologie unseres Planeten genannt! Oder muss den Saarländern alles recht sein, um ab und zu in den Medien aufzutauchen? Abgesehen von Meldungen zum aktuellen Schuldenstand im Ländervergleich natürlich …

Man könnte ja aber auch mal was Positives melden und dabei die jüngste Bundeswaldinventur bemühen. Ihr zufolge hat zwischen 2002 und 2012 die mit Rotfichten bestandene Fläche in Deutschland um mehr als die Fläche des Saarlandes abgenommen, nämlich um 2670 Quadratkilometer. Der deutsche Wald - von Natur aus meist Laubmischwald mit hohem Rotbuchen-Anteil - ist also wenigstens etwas naturnäher geworden.

Doch warum ist das Saarland als Größenvergleich überhaupt so beliebt? Noch fahren mehr Urlauber nach Bayern und Mecklenburg-Vorpommern und schauen deshalb vielleicht auch mal auf einer Landkarte nach ihrem Ziel statt auf ihre Routenplaner. Die Antwort ist simpel: Mit dem Kleinsten lässt sich Größeres am ehesten bemessen und als Vielfaches des Kleineren ausdrücken. Wer Nicht-Landwirten einen Hektar veranschaulichen will, drückt ihn ja auch in Quadratmetern aus (nämlich 10 000) statt in viel größeren Quadratkilometern (0,01).

Folgerichtig kommt in den USA auch deren kleinstem Flächenstaat, Rhode Island, die Rolle des Saarlandes zu. Der Neuengland-Staat im Nordosten der USA ist gerade einmal 3140 Quadratkilometer groß - und damit 22 Prozent größer als das Saarland. Also im Grunde beinahe riesig!

In absoluten Zahlen ist Rhode Island zwar größer als das Land an der Saar. In Relation zur gesamten Nationalfläche aber ist dieses viel größer. Während man nämlich nur 139 Saarlande (aber viel mehr Saarländer!) bräuchte, um Deutschland damit zuzupflastern, wären sage und schreibe 3130 Rhode Islands nötig, um die ganzen USA abzudecken. Was für ein winziges Ländchen! Den witzigsten Größenvergleich mit Hilfe des Saarlandes hat »Die Welt« einmal angestellt. Im August 2013 meldete die Tageszeitung: »Geografen staunten nicht schlecht: Im Südwesten Deutschlands stießen sie auf eine Region, die mit 2569,69 Quadratkilometern exakt die Fläche des Saarlandes hat.« Bis heute allerdings soll mancher Saarländer rätseln, welche Region die Zeitung da wohl meinte.

Übrigens: Mit seinen 2570 Quadratkilometern ist das kleinste deutsche Flächenland immerhin größer als Berlin (0,35 Mal die Fläche des Saarlandes), Hamburg (0,29) und Bremen (0,13) - und zwar auch alle drei Stadtstaaten zusammengenommen! Die bringen es gemeinsam nämlich nur auf 1974 Quadratkilometer. Das entspricht übrigens gerade einmal 63 Prozent der Fläche von Rhode Island.

Jürgen Kummers Flächenumrechner findet sich im Internet unter: https://rechneronline.de/flaeche/

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