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UFO lässt Eurowings fliegen

Die Flugbegleiter verhandeln wieder mit der Lufthansa-Tochter

  • Von Rainer Balcerowiak
  • Lesedauer: 4 Min.

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Tausende Fluggäste werden vorerst doch nicht kurzfristig umdisponieren müssen. Denn bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings in Deutschland wird an diesem Montag wieder verhandelt. Einen Streik des Kabinenpersonals in dem Tarifkonflikt soll es bis einschließlich Dienstag nicht geben, teilte die Unabhängige Flugbegleiterorganisation (UFO) in einem Brief an die Airline mit. Eurowings nahm das Gesprächsangebot an.

Erst am Donnerstag hatte UFO ihre Mitglieder bei der Airline zum Streik aufgerufen. In den kommenden zwei Wochen könne es jederzeit zu Arbeitsniederlegungen kommen, erklärte UFO-Vorstand Nicoley Baublies. Alle Bemühungen, einen Kompromiss für die Beschäftigten der europaweit agierenden Eurowings-Gruppe zu erzielen, seien gescheitert. Aus tarifrechtlichen Gründen sollten zunächst nur die 23 Maschinen des in Düsseldorf ansässigen Ablegers von Eurowings bestreikt werden.

Die Verhandlungen über die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen des Kabinenpersonals bei Eurowings ziehen sich bereits seit mehr als zwei Jahren hin. Nach teilweise wochenlangen Streiks beim Mutterkonzern Lufthansa schien es im Juli zunächst so, dass der Streit bald beigelegt sei. Eine unter Leitung des früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) vereinbarte Schlichtungsvereinbarung sah unter anderem vor, bis September auch für das Kabinenpersonal bei Eurowings tarifliche Vereinbarungen zur Vergütung, zur Mitbestimmung, zur betrieblichen Altersvorsorge und zu den Möglichkeiten eines Arbeitsplatzwechsels in den Mutterkonzern zu treffen.

Doch die diesbezüglichen Verhandlungen wurden von UFO Ende September abgebrochen, da die Konzernführung jegliche Zugeständnisse ebenso verweigert habe wie eine erneute Schlichtung. »Man will offenbar keine friedliche Lösung. Das Verhalten des Managements kann man nur so interpretieren, dass sie gar keine Einigung wollen, sondern einen Blankoschein für Tarifflucht ins Ausland«, so Baublies zunächst.

In der Tat ist der Ausbau von Eurowings zur europaweit agierenden Billig-Airline das Herzstück der Unternehmensstrategie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Mit der Anmietung von 40 Flugzeugen des kriselnden Konkurrenten Air Berlin wurde das Expansionstempo deutlich erhöht. Der Konzern fürchtet, ohne das »kostengünstige« Tochterunternehmen kaum Chancen auf dem expandierenden Markt für Billigflüge innerhalb Europas zu haben, zumal die großen Konkurrenten Ryanair und Easyjet ebenfalls eine aggressive Expansionsstrategie verfolgen.

Vor diesem Hintergrund ist die UFO-Führung bei Eurowings durchaus bereit, erhebliche Zugeständnisse zu machen. Eine vollständige Angleichung an die deutlich höheren tariflichen Standards ist dort schon lange kein Thema mehr, auch die Ausgliederung großer Unternehmensteile nach Österreich will man »positiv begleiten« - ein Kurs der in der UFO-Basis für erheblichen Unmut sorgte.

In einer Videobotschaft am Donnerstag bekräftigte der UFO-Vorstand diesen Kurs im Prinzip. Doch Eurowings habe in dem Verhandlungsprozess immer weiter draufgesattelt und die Absicht, die deutschen Betriebsteile zugunsten tariffreier Standorte auszudünnen, bekräftigt. Offensichtlich habe das Management die Signale, die etwa von jüngsten Turbulenzen beim Ferienflieger TUIfly ausgingen, bei dem Angestellte mit massenhaften Krankschreibungen den Flugbetrieb tagelang lahmlegten und damit eine Rücknahme der rabiaten Ausgliederungspläne erzwangen, nicht verstanden.

Es gibt eine weitere Besonderheit dieses Tarifkonflikts. Denn auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat Flugbegleiter bei Eurowings organisiert und erhebt den Anspruch, für diese Tarifverträge abzuschließen. Auch hier stehen die Verhandlungen kurz vor dem endgültigen Scheitern. Am 22. September gab es einen ersten Warnstreik. Ver.di fordert unter anderem eine Lohnerhöhung um sieben Prozent und kritisiert die Verhandlungsstrategie von UFO als »zu konzernfreundlich«.

In dem am Sonntag verschickten Schreiben heißt es nun vom UFO-Tarifexperte Baublies, die Gewerkschaft sei weiter an einer friedlichen Lösung interessiert. Eurowings pocht ohnehin auf einen einheitlichen Tarifvertrag, wie es auch im seit Juli 2015 gültigen Tarifeinheitsgesetz vorgesehen ist. Das könnte für weiteren Zündstoff in der laufenden Tarifrunde sorgen.

Äußerlich unbeeindruckt von den angekündigten UFO-Streiks zeigt sich der Mutterkonzern Lufthansa. Er verweist auf die »Alternativlosigkeit« des Ausbaus der Billigtochter Eurowings und auf erste Erfolge bei der Konsolidierung des Konzerns. Am vergangenen Mittwoch wurde die Gewinnprognose für das Jahr 2016 auf 1,8 Milliarden Euro angehoben, woraufhin die Lufthansa-Aktie an der Börse um vier Prozent zulegte.

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