Von Klaus Bittermann

Im Zwielicht

Franz Doblers neuer Krimi »Ein Schlag im Gesicht« zeigt einmal mehr: Dieser Mann ist ein gottverdammt guter Profi

Hunter S. Thompson schrieb einmal: »Schreiben ist wie ficken. Es macht nur den Amateuren Spaß.« Im Unterschied zu den Profis, die sich quälen, um etwas Vernünftiges zustande zu bringen, etwas, dem man nicht ansieht, dass man sich dabei gequält hat. Franz Dobler ist so ein Profi, der den Teufel tun würde, zuzugeben, dass er sich beim Verfassen seines zweiten Krimis schwer getan hätte. Aber das neue Buch »Ein Schlag ins Gesicht« ist so geschrieben, dass man an keiner Stelle den Eindruck hat, es stimmt etwas nicht, keine stilistischen Nachlässigkeiten, kein Drüberhinwegmogeln an einer schwierigen Stelle und vor allem keine gewöhnlichen Formulierungen und keine Phrasen, mit denen sich Autoren behelfen müssen, die es eben nicht besser können.

Doblers Sprache ist dicht, komprimiert, kompromisslos und an vielen Stellen blitzt unerwartet ein kleiner Witz auf. Sie nimmt einen gefangen und lässt nicht so schnell wieder los, hat sich der Leser erst mal auf den Sound und die rauen und schnellen Dialoge eingelassen, die manchmal wie aus der Hüfte geschossen wirken.

Der Ex-Bulle Robert Fallner, der in dem vorangegangenen Krimi »Ein Bulle im Zug« noch ein Bulle ist und einen Jungen erschossen hat, ist von Berufs wegen ein misstrauischer Mensch, und das aus guten Gründen, denn die Waffe, mit der der Junge ihn bedroht hat, ist verschwunden, so dass es so aussieht, als sei Fallner etwas schießwütig und voreilig gewesen. Und obwohl er den Fall klären kann, spukt ihm der tote Junge im Kopf umher und macht ihm zu schaffen. Eine Analyse bringt ihm auch keinen Frieden. Er schmeißt seinen Job und heuert im nun vorliegenden Buch »Ein Schlag ins Gesicht« bei der Sicherheitsfirma seines Bruders an. Eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, die eigentlich wie Fallner eine Ex-Schauspielerin ist, die in jungen Jahren durch einen Sexfilm berühmt wurde, aber eigentlich mindestens so gut war wie Deborah Harry, wird gestalkt, und Fallner muss sich um ihre Sicherheit kümmern. Aber wird sie überhaupt gestalkt? Oder geht es um die Inszenierung eines Werberummels, damit sich die Scheinwerfer noch einmal auf sie richten und für sie eine neue Rolle herausspringt?

Fallner wird konfrontiert mit ihrem zwielichtigen Sohn und dessen zwielichtiger Freundin, die ein bisschen in Sensationsjournalismus macht, mit ihrem zwielichtigen Manager, ihrer zwielichtigen Vergangenheit und ihrem zwielichtigen Verhalten. Und in diesem Zwielicht, das über dem gesamten Buch liegt, bewegt sich Fallner, denn es ist nichts eindeutig, jede Aussage hat einen Subtext, der sich im Verborgenen hält, jedes Verhalten könnte auch etwas anderes heißen.

Fallner verliert sich in diesem Milieu irgendwo hinter dem Hauptbahnhof, wo Kneipen ihre besten Tage hinter sich haben, man sich aber immer noch gepflegt die Kante geben kann. Er wird verprügelt, wie es das Gesetz des Krimi-Genres vorschreibt, und er teilt aus, wenn es sein muss. Er geht sogar mit der Ex-Schauspielerin ins Bett, was als Bodyguard wahrscheinlich so verpönt ist, wie mit seiner Analytikerin ein Verhältnis anzufangen. Er baut Scheiße, und wenn er durchdreht, kommt er auch wieder zu sich. Und er befindet sich auf der Höhe seines Autors, der in einem seiner Nebenberufe DJ ist und eine Cash-Biografie geschrieben hat, ja sogar die Cash-Biografie. Er kennt die Präferenzen seines Autors, so dass man sich manchmal fragt, ob das zu dem Ex-Bullen Fallner wirklich passt, und dennoch schleicht sich an keiner Stelle ein falscher Ton ein, und warum soll sich ein ehemaliges Sexfilmsternchen nicht mit Blondie vergleichen, auch wenn es in ihrem Milieu wahrscheinlich nicht wahnsinnig verbreitet ist.

Franz Dobler ist ein gottverdammt guter Profi, dem wieder großes Kino gelungen ist.

Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht. Tropen Verlag, 361 S., geb., 19,95 €.

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