Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Industrie 4.0

Smarte Worte 12: Es geht bei Industrie 4.0 um eine weitere Vernetzung der physischen mit der digitalen Welt, die über vorherige Ansätze der Digitalisierung der Produktion hinausgehen

Industrie 4.0 ist ein vor allem in Deutschland gebräuchlicher Begriff, der die digitale Vernetzung von Maschinen, Produkten, Fertigungsprozessen und Logistik in der Industrie beschreibt. In der englischsprachigen Debatte ist vor allem industrial internet gebräuchlich. Eine allgemein akzeptierte Begriffsdefinition existiert bislang nicht. Es handelt sich aber nicht bloß um einen Marketingbegriff, sondern er ist darüber hinaus eng verknüpft mit einem Zukunftsprojekt der deutschen Bundesregierung zum Umbau der deutschen Industrie und zur Erschließung weiterer Wertschöpfungspotentiale.

Es geht bei Industrie 4.0 um eine weitere Vernetzung der physischen mit der digitalen Welt, die über vorherige Ansätze der Digitalisierung der Produktion hinausgehen. Grundlage hierfür ist das sogenannte Internet der Dinge, also die Verknüpfung von sogenannten intelligenten Objekten (smart objects) bzw. Cyber-Physischen-Systemen (CPS), die durch den Einsatz von Sensorik laufend Informationen über ihren Ort, Zustand und ihre Umgebung liefern und damit die Steuerung von betrieblichen Prozessen in Echtzeit und sogar über verschiedene miteinander vernetzte Unternehmen hinweg ermöglichen. Diese können sich entsprechend der Anforderungen selbständig steuern und kontinuierlich selbst optimieren. Es handelt sich im Kern um eine neue Form der Steuerung und Organisierung von Produktionsabläufen.

Die Erwartungen an Industrie 4.0 sind hoch: Sie vereint die Großproduktion mit den jeweiligen Wünschen ganz unterschiedlicher Kunden und ist dabei kostengünstig wie die Massenproduktion bei gleichzeitig hoher Qualität und Spitzenwerten bei den Produktions- und Rüstzeiten. Reagiert wird damit auf sich rascher wandelnde Absatzmärkte und die immer kürzer werdenden Produktzyklen. Der Umbau der Produktion zur intelligenten Fabrik (smart factory) soll die hiesige Wirtschaft insgesamt wettbewerbsfähiger machen und so Zugang zu neuen Märkten eröffnen, neue Geschäftsmodelle ermöglichen und damit insgesamt für bessere Perspektiven von Kapital und Arbeit sorgen. Der Produktionsprozess soll energie- und ressourceneffizient sein. Durch neue Assistenzsysteme soll die Belastung und Beanspruchung bei der Arbeit reduziert und diese »demografiesensibel« auch noch in hohem Alter ermöglicht werden und damit eine wichtige Antwort auf den Fachkräftemangel in der deutschen Industrie sein.

Bisher sind Industrie 4.0-Konzepte in der Realität jedoch allenfalls in Ansätzen verwirklicht und kaum in einem umfassenden Sinne umgesetzt, dennoch werden bereits lautstark ihre (positiven) Folgen verkündet, die es – so die Bedrohungskulisse – nicht zu verpassen gelte. Die Debatte bleibt dabei vor allem auf die technologischen Aspekte fokussiert, die arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitischen Folgen bleiben unscharf. Droht ein massiver Arbeitsplatzverlust, eine neue technologische Arbeitslosigkeit oder werden sich nur Tätigkeitsprofile verschieben? Wird dies zu mehr Arbeitszeitsouveränität im Sinne einer »Wahlarbeitszeit« führen, oder wird es vielmehr zu einem weiteren Unterlaufen arbeitsrechtlicher Standards, in Gestalt von mehr Deregulierung, Flexibilisierung und Dequalifizierung kommen?

Im Zentrum der Debatte steht vor allem die Frage der Anpassung des Menschen an Technologie und Märkte. Nur wenn wir diese Fragestellung umdrehen und zusätzlich die Folgen für die global vernetzte Weltwirtschaft und die tatsächlichen ökologischen Kosten, jenseits der Behauptungen der Werbebroschüren, in den Blick nehmen, bieten sich Chancen für eine demokratischere Arbeitswelt und gesellschaftlichen Fortschritt. (ps)

Zum Weiterlesen

Sabine Pfeiffer (2015): Industrie 4.0 und die Digitalisierung der Produktion – Hype oder Megatrend?
Ingo Matuschek (2016): Industrie 4.0, Arbeit 4.0 – Gesellschaft 4.0? Eine Literaturstudie
Florian Butollo/Thomas Engel (2015): Industrie 4.0 - arbeits- und gesellschaftspolitische Perspektiven

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln