Werbung

Industrie 4.0

Smarte Worte 12: Es geht bei Industrie 4.0 um eine weitere Vernetzung der physischen mit der digitalen Welt, die über vorherige Ansätze der Digitalisierung der Produktion hinausgehen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Industrie 4.0 ist ein vor allem in Deutschland gebräuchlicher Begriff, der die digitale Vernetzung von Maschinen, Produkten, Fertigungsprozessen und Logistik in der Industrie beschreibt. In der englischsprachigen Debatte ist vor allem industrial internet gebräuchlich. Eine allgemein akzeptierte Begriffsdefinition existiert bislang nicht. Es handelt sich aber nicht bloß um einen Marketingbegriff, sondern er ist darüber hinaus eng verknüpft mit einem Zukunftsprojekt der deutschen Bundesregierung zum Umbau der deutschen Industrie und zur Erschließung weiterer Wertschöpfungspotentiale.

Es geht bei Industrie 4.0 um eine weitere Vernetzung der physischen mit der digitalen Welt, die über vorherige Ansätze der Digitalisierung der Produktion hinausgehen. Grundlage hierfür ist das sogenannte Internet der Dinge, also die Verknüpfung von sogenannten intelligenten Objekten (smart objects) bzw. Cyber-Physischen-Systemen (CPS), die durch den Einsatz von Sensorik laufend Informationen über ihren Ort, Zustand und ihre Umgebung liefern und damit die Steuerung von betrieblichen Prozessen in Echtzeit und sogar über verschiedene miteinander vernetzte Unternehmen hinweg ermöglichen. Diese können sich entsprechend der Anforderungen selbständig steuern und kontinuierlich selbst optimieren. Es handelt sich im Kern um eine neue Form der Steuerung und Organisierung von Produktionsabläufen.

Die Erwartungen an Industrie 4.0 sind hoch: Sie vereint die Großproduktion mit den jeweiligen Wünschen ganz unterschiedlicher Kunden und ist dabei kostengünstig wie die Massenproduktion bei gleichzeitig hoher Qualität und Spitzenwerten bei den Produktions- und Rüstzeiten. Reagiert wird damit auf sich rascher wandelnde Absatzmärkte und die immer kürzer werdenden Produktzyklen. Der Umbau der Produktion zur intelligenten Fabrik (smart factory) soll die hiesige Wirtschaft insgesamt wettbewerbsfähiger machen und so Zugang zu neuen Märkten eröffnen, neue Geschäftsmodelle ermöglichen und damit insgesamt für bessere Perspektiven von Kapital und Arbeit sorgen. Der Produktionsprozess soll energie- und ressourceneffizient sein. Durch neue Assistenzsysteme soll die Belastung und Beanspruchung bei der Arbeit reduziert und diese »demografiesensibel« auch noch in hohem Alter ermöglicht werden und damit eine wichtige Antwort auf den Fachkräftemangel in der deutschen Industrie sein.

Bisher sind Industrie 4.0-Konzepte in der Realität jedoch allenfalls in Ansätzen verwirklicht und kaum in einem umfassenden Sinne umgesetzt, dennoch werden bereits lautstark ihre (positiven) Folgen verkündet, die es – so die Bedrohungskulisse – nicht zu verpassen gelte. Die Debatte bleibt dabei vor allem auf die technologischen Aspekte fokussiert, die arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitischen Folgen bleiben unscharf. Droht ein massiver Arbeitsplatzverlust, eine neue technologische Arbeitslosigkeit oder werden sich nur Tätigkeitsprofile verschieben? Wird dies zu mehr Arbeitszeitsouveränität im Sinne einer »Wahlarbeitszeit« führen, oder wird es vielmehr zu einem weiteren Unterlaufen arbeitsrechtlicher Standards, in Gestalt von mehr Deregulierung, Flexibilisierung und Dequalifizierung kommen?

Im Zentrum der Debatte steht vor allem die Frage der Anpassung des Menschen an Technologie und Märkte. Nur wenn wir diese Fragestellung umdrehen und zusätzlich die Folgen für die global vernetzte Weltwirtschaft und die tatsächlichen ökologischen Kosten, jenseits der Behauptungen der Werbebroschüren, in den Blick nehmen, bieten sich Chancen für eine demokratischere Arbeitswelt und gesellschaftlichen Fortschritt. (ps)

Zum Weiterlesen

Sabine Pfeiffer (2015): Industrie 4.0 und die Digitalisierung der Produktion – Hype oder Megatrend?
Ingo Matuschek (2016): Industrie 4.0, Arbeit 4.0 – Gesellschaft 4.0? Eine Literaturstudie
Florian Butollo/Thomas Engel (2015): Industrie 4.0 - arbeits- und gesellschaftspolitische Perspektiven

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!