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Neuanfang im Niedergang

Redaktionen von »Berliner Zeitung« und »Berliner Kurier« werden zusammengelegt – 50 Stellen fallen weg

Die DuMont Mediengruppe spricht von der »Investition in einen Neuanfang«, der Journalistenverband Berlin-Brandenburg hingegen nennt es die »Schließung von Berliner Zeitung und Berliner Kurier«. Fakt ist, dass den Redakteurinnen und Redakteuren der beiden Hauptstadtblätter einschneidende Veränderungen bevorstehen. Während DuMont der Presse mitteilte, es sei »nicht auszuschließen«, dass es im Zuge der Neuausrichtung »zu Teilbetriebs- und Betriebsschließungen kommen wird«, ist in einem Text des ehemaligen Chefredakteurs der »Berliner Zeitung«, Uwe Vorkötter, auf dem Medienportal »Horizont« die Rede von einem »drastischen Personalabbau«. Von den derzeit rund 160 (nach Betriebsratsangaben sogar rund 180) journalistischen Stellen »dürfte mindestens ein Drittel wegfallen«.

Nach langem Hinhalten der Mitarbeiter und damit einhergehenden Spekulationen über die Zukunft des Abo-Blattes »Berliner Zeitung« und der Boulevardzeitung »Berliner Kurier« hat die DuMont Mediengruppe der Belegschaften am Donnerstagvormittag im Versammlungsraum des Verlagshauses am Alexanderplatz Details ihrer Vorhaben vorgestellt. Demnach soll am neuen Standort in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg bereits ab dem 1. November ein »integrierter Newsroom« aufgebaut werden, »der nicht nur Berliner Kurier und Berliner Zeitung in der Printversion, sondern auch sämtliche digitalen Kanäle, Formate und neue Produkte übergreifend produziert«. Der schrittweise Aufbau des Newsrooms soll bis Mitte 2017 abgeschlossen sein.

Zwar blieben DuMont zufolge beide Zeitungen erhalten und würden in ihrer jeweiligen Identität sogar gestärkt, faktisch aber bedeutet die Neugründung der »Berliner Newsroom GmbH« (mit Sitz in Köln) eine Zusammenlegung der Redaktionen. Die neue Gesellschaft wird von drei Chefredakteuren geleitet: Thilo Knott, zuständig für die digitale Strategie, Jochen Arntz (»Berliner Zeitung«) und Elmar Jehn (»Berliner Kurier«). Die bisherigen Redaktionsmitglieder können sich in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren auf 110 »neu geschaffene« Stellen bewerben. Mindestens 50 Arbeitsplätze fallen demzufolge weg. Hinzu kommen 16 IT-Experten, deren Stellen der Auslagerung der technischen Betreuung zum Opfer fallen. Auch die Leserbetreuung ist betroffen: Die DuMont-Callcenter in Halle und Berlin sollen verkauft werden. »Für den Fortbestand der Verlagsbereiche«, heißt es in einer Stellungnahme des Konzernbetriebsrats vom Donnerstag, »wollte die Geschäftsführung auch heute keine Garantie abgeben«.

Mit den Sanierungsmaßnahmen reagiert DuMont auf anhaltende wirtschaftliche Defizite. Insbesondere die Auflage der »Berliner Zeitung« sinkt rapide. Die verkaufte Auflage lag im ersten Quartal 2016 noch bei knapp 97 000 Exemplaren. Das entspricht im Vergleich zu 1998 einem Rückgang von deutlich über 50 Prozent. »Entweder wir begleiten die Berliner Zeitung und den Berliner Kurier noch zwei Jahre beim Niedergang«, sagte DuMont-Aufsichtsrat Hans Werner Kilz, »oder aber wir wagen einen Neuanfang«. Vorrangige Aufgaben der neuen Chefredakteure seien die Neukonzeption der Printangebote, die Überarbeitung der Homepages und die »Echtzeitanalyse über alle Medienkanäle«. Zudem sollen die Magazine digitalisiert und eine »nutzerorientierte Newsletter-Welt« erschaffen werden.

Gewerkschaften und Betriebsräte reagierten auf die Pläne mit harscher Kritik und sicherten den Belegschaften ihre Unterstützung zu. »Durch die Gründung von neuen Gesellschaften sollen soziale Schutzmechanismen ausgehebelt und die Regeln eines Betriebsübergangs umgangen werden«, sagte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. »Das ist absolut inakzeptabel.« Zu befürchten sei, dass die DuMont Mediengruppe ähnliche Maßnahmen demnächst auch in den Redaktionen des »Kölner Stadt-Anzeigers« und des »Express« sowie bei der »Hamburger Morgenpost« anstrebe.

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