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Cryan will noch mehr streichen

Gute Nachrichten sind bei der Deutschen Bank rar geworden. Überraschend verkündete Vorstandschef John Cryan am Donnerstag schwarze Zahlen. Doch er hatte für Investoren und Mitarbeiter auch schlechte Neuigkeiten parat: Die Lage von Deutschlands größter privater Bank bleibt fragil.

Im dritten Quartal verbuchte die Bank mit Sitz in den Frankfurter Doppeltürmen vor Steuern einen Gewinn von 619 Millionen Euro, nach Steuern blieb ein Plus von 278 Millionen Euro. Analysten hatten mit roten Zahlen gerechnet. In den ersten neun Monaten lag der Vorsteuergewinn bei 1,6 Milliarden Euro. Es stecke »viel operative Kraft in unserem Geschäft«, schrieb Cryan in einem Brief an die Mitarbeiter. Das werde regelmäßig übersehen. In der Tat beherrschen derzeit die Verhandlungen mit dem US-Justizministerium über Strafzahlungen für riskante Hypothekengeschäfte die Schlagzeilen.

Letztlich ist entscheidend, ob der angestrebte Vergleich in den USA die Bank ins Wanken bringen können. Am 9. September gab es Berichte, wonach eine Einigung mit den Behörden kurz bevorstehe. Sechs Tage später wurde die Forderung des US-Justizministeriums bekannt. 14 Milliarden Dollar sollte das Kreditinstitut zahlen. Die Aktie stürzte auf ein Rekordtief von unter zehn Euro. Gerüchte über eine Staatsrettung und einen später dementierten Bittgang zu Kanzlerin Angela Merkel machten die Runde.

Man werde keinen Vergleich annehmen »in einer Höhe, die auch nur annähernd der genannten Zahl entspricht«, erklärte die Bank. Ende September kursierte die Zahl von 5,4 Milliarden Dollar. Aktuell hat die Bank die Rückstellungen für sämtliche Rechtsrisiken noch einmal leicht auf 5,9 Milliarden Euro aufgestockt.

Das Haus steckt mitten in einem harten Umbau. 9000 Stellen sollen konzernweit wegfallen, davon 4000 auf dem Heimatmarkt. 200 von 700 Filialen werden dichtgemacht. »Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Lage noch eine Weile schwierig bleibt«, schrieb Cryan an die Belegschaft. Der Stellenabbau soll »noch ambitionierter« vonstatten gehen als geplant. Neu ist auch ein weitgehender Einstellungsstopp. Unklar ist ferner, was mit der 2009 übernommenen Postbank passiert. Das ehemalige Staatsinstitut sollte eigentlich verkauft werden, jedoch findet sich kein Investor. Nun ist eine Reintegration im Gespräch.

Die große Unsicherheit über die Zukunft der Deutschen Bank hat sich zuletzt auch auf einige Geschäftsbereiche negativ ausgewirkt. Zwar lief der Wertpapierhandel ordentlich. Die Vermögensverwaltung verzeichnete jedoch Abflüsse reicher Kunden im Umfang von neun Milliarden Euro. In ähnlicher Größenordnung schrumpfte das Fondsgeschäft. Ein Dauerproblem ist die dünne Kapitaldecke der Deutschen Bank. Zumindest hier kann Cryan eine leichte Besserung vermelden. Die Kernkapitalquote stieg gegenüber dem Ende des zweiten Quartals von 10,8 auf 11,1 Prozent. Weitere 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte soll der Verkauf der Anteile an der chinesischen Hua Xia Bank bringen.

Im Juni hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Deutsche Bank wegen ihrer Vernetzung als gefährdetste Bank der Welt im Fall einer neuen Finanzkrise bezeichnet. Zwar ist der Aktienkurs gegenüber dem Tiefstand im September um gut ein Drittel gestiegen. Der Sturm ist für die Bank aber noch nicht vorüber. Die aktuellen Zahlen bringen nur eine Atempause.

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