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Zwischen rechten Trittbrettfahrern und linken »Textschlachten«

Rechtspopulisten kommentieren den Brief des Conne Island mit Häme / Klubbetreiber wehren sich gegen Vereinnahmung durch AfD & Co

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Die Häme ließ nicht lange auf sich warten. »Linke im Realitätsstress«, titelte die Rechtsaußen-Postille »Junge Freiheit« über einem Kommentar, in dem genüsslich der Brief des Leipziger Kulturzentrums Conne Island zu Problemen mit Flüchtlingen bei Tanzveranstaltungen seziert wurde. Dessen Betreiber seien über die »Fallstricke ihrer eigenen Ideologie gestolpert«, befand der Autor und fügte höhnisch an, wer offene Grenzen fordere, dürfe eben »nicht so doof sein, bei sich selbst die Türen aufzumachen«. Auf einem anderen rechtspopulistischen Portal war von einer »Kapitulationserklärung« die Rede. Und Carsten Hütter, Landesvize der AfD in Sachsen, bezichtigte die Leipziger mit unverhohlenem Sarkasmus gar der »Hetze« gegen Flüchtlinge. Ihren Brief wertet er als Beleg für die Behauptung der AfD, die Zuwanderung von Muslimen gefährde den sozialen Frieden in Deutschland - schließlich kämen überwiegend junge Männer ins Land, die »in einem kulturfremden Raum mit einer mittelalterlichen Wüstenreligion sozialisiert wurden«.

In Leipzig hatte man geahnt, dass es Applaus von unerwünschter Seite geben würde. Nicht zuletzt deshalb habe man sich mit dem öffentlichen Ansprechen der Probleme schwer getan, heißt es in dem Brief: »Wir wollten nicht in die rassistische Kerbe von AfD und CDU/CSU schlagen.« Allerdings sei auch ein »verbales Umschiffen« der Schwierigkeiten »nicht mehr zweckdienlich« gewesen - nicht zuletzt, weil man damit den Rechten »die Deutungshoheit überlasse«. Nötig sei eine offene Debatte in der Linken - ohne falsche Rücksichtnahme auf etwaige rechte Trittbrettfahrer.

Ein »mutiger« und richtiger Schritt, sagt die Grüne Petra Zais, die vor ihrer Zeit im Landtag lange in einem Mobilen Beratungsteam des Kulturbüros Sachsen gearbeitet hat: »Offenheit und Transparenz sind entscheidend.« Stecke man dagegen den »Kopf in den Sand, um den ›Gegner‹ nicht zu stärken, macht man sich dessen Argumentation zu eigen.«

Die Linkspolitikerin Juliane Nagel, die in Connewitz ihren Wahlkreis hat, ist skeptischer - allerdings nicht wegen der Reaktionen auf der Rechten, sondern denen in der linken Szene. Ein Brief rufe dort in der Regel neue Briefe, Abhandlungen und Traktate hervor - eine »Textschlacht«, die Nagel »nicht für eine produktive Form der Auseinandersetzung« hält.

Gegen eine unerwünschte Vereinnahmung durch AfD & Co sehen beide Politikerinnen den Klub Conne Island derweil gewappnet. »Die einen wollen nur diffamieren und ausgrenzen, die anderen benennen Probleme, um sie zu lösen«, sagt Zais: »Ihre Grundüberzeugung bleibt: ›Wir schaffen das‹.« Dass Integration reibungslos ablaufe, war nicht zu erwarten, sagt auch Nagel: »Niemand hat gesagt, dass es einfach wird.« Anders als Rechtspopulisten, die darauf mit der Forderung nach dichten Grenzen reagieren, engagiere sich das Kulturzentrum aber weiter für Integration - wenn auch nicht mehr durch preiswerten Eintritt für Partys.

Auch die Klubbetreiber versuchen, rechte Trittbrettfahrer auf Armlänge zu halten. Der Klub White Rabbit in Freiburg, der bereits im Januar ähnliche Probleme wie nun die Leipziger öffentlich machte und selbstgerechte Äußerungen eines AfD-Mannes erntete, kanzelte diesen ab: »Wir waren, sind und bleiben ein offener und toleranter Club.« Man bemühe sich, Flüchtlinge im Dialog zu integrieren, während die AfD nur eines könne: »Angst und Hetze verbreiten«.

Im Conne Island empfindet man es als doppelzüngig, wenn Rechtspopulisten einerseits den US-Republikaner Donald Trump trotz dessen frauenverachtender Haltung feiern und sich zugleich als Beschützer hiesiger Klubbesucherinnen aufspielen: »Das schreit zum Himmel«, sagt Sprecher Hannes Schneider. Im »Island« gibt es weiter Skateboard-, Rad- und Sprachkurse für Flüchtlinge, die auch bei Partys willkommen seien, wenn sie die Regeln respektieren. Auf Kommentare wie den in der »Jungen Freiheit« werde man nichts erwidern: »Was Nazis schreiben, geht uns am Arsch vorbei.«

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