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Rechter Flügel vermisst

CDU-Kräfte im Nordosten wollen AfD-Wähler zurückholen

»Traditionelle« Familien mit dem Mann als Ernährer, der Mutter am Herd, drei oder mehr Kindern in der Stube, rundherum Heile-Welt-Bilder und Obrigkeitsvertrauen wie einst in der spießig-muffigen Adenauer-Ära Westdeutschlands: Wählerinnen und Wähler im Nordosten, die sich so etwas wünschen, politisch zwar gern ein wenig nach rechts schauen, aber nicht unbedingt der AfD ihr Kreuzchen geben möchten, sollen künftig wieder in der CDU ihre Heimat finden.

Dieser Gedanke könnte Kräfte in der Union dazu bewogen haben, innerhalb ihrer Partei so etwas wie einen »konservativen Kreis« aus der Taufe zu heben. Einem Bericht des NDR zufolge soll diese Absicht bestehen, auch bei einigen Landtagsabgeordneten, die offenbar den rechten Flügel in der Union vermissen.

Über die Bildung eines solchen Zirkels wollten dessen Initiatoren im Verlauf einer internen Zusammenkunft in Greifswald zunächst mit »Teilen der Basis« beraten, war zu hören. Der nächste Schritt in Richtung eines konservativen Klüngels könnte Mitte November ein Parteitag in Anklam sein. Eine offizielle Information aus der CDU Mecklenburg-Vorpommerns zu der Sache gibt es bislang nicht. Doch zitieren die Rundfunkleute mehrere Unionspolitiker, die den im Raum stehenden »Kreis« durchaus begrüßen dürften. Scheint ihnen doch die konservativ denkende, an althergebrachten Wertvorstellungen hängende Wählerschaft sehr am Herzen zu liegen.

Zu ihnen zählt die Landtagsabgeordnete Beate Schlupp, der eine Orientierung der CDU »auf die politische Mitte« nicht gefällt. Eine »gewisse Bandbreite« müsse die Partei haben, bekräftigt die Politikerin. Und ihr Landtagskollege, der Landesvorsitzende der Jungen Union Franz-Robert Liskow aus Greifswald fordert: In den »vielen individuellen Lebensentwürfen«, für welche die CDU stehe, müssten sich »auch wieder stärker traditionelle Ansichten über Familien wiederfinden«. Eine Partei sei wie ein Vogel, er brauche »neben der Mitte auch eine linken und einen rechten Flügel, um zu fliegen«, sagt der Junge-Union-Chef.

»Treibende Kraft« der Idee eines konservativen CDU-Kreises, so der NDR, sei der Stralsunder Staatsanwalt Sascha Ott. Jener Jurist, den seine Partei anfangs als Justizminister im neuen Landeskabinett sehen wollte, der dann aber über seine positive Bemerkung zur AfD im Internet stolperte: Er hatte AfD-Äußerungen mit »Gefällt mir« markiert, wurde deshalb von seiner Partei schleunigst von der Vorschlagsliste für das Regierungsamt gestrichen.

Beim Landesparteitag der CDU Ende Oktober in Wittmund hatte Ott mit Blick auf seine gerügten Klicks auf Facebook unterstrichen: Er sei nicht bereit, »sich in einen Käfig politischer Korrektheit sperren zu lassen«. Im weiteren Verlauf seiner Rede verlangte der geschasste Minister-Anwärter, die Union möge zu konservativen Inhalten zurückkehren, und: »Die CDU ist nicht mehr das, was sie war.« Kaum noch unterscheide sie sich in einigen Bereichen von SPD und Grünen. »Wir haben unseren rechten Flügel verloren«, klagte Ott.

Verloren hatte die Partei vor allem viele Stimmen bei der Landtagswahl, wo sie mit 19 Prozent - vier Prozent weniger als 2011 - ein für sie miserables Ergebnis einfuhr. Ob sie mit einem »konservativen Kreis« abtrünnige Wählerinnen und Wähler von der AfD zurückholen kann, wird sich erst im Jahr 2021 beantworten lassen, wenn es erneut über das Landesparlament abzustimmen gilt.

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