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Duell der Wunderkinder

Am Donnerstag wird in New York die Schach-WM eröffnet, Karjakin fordert Carlsen heraus

Es ist eines der großen Duelle des Sports, das da am Donnerstag in New York beginnt: Nur zwei Tage nachdem Präsidentschaftsduell zu Ende gegangen ist, werden sich der norwegische Titelverteidiger Magnus Carlsen und sein russischer Herausforderer Sergej Karjakin im Kampf um den Schach-Weltmeistertitel messen.

Auf zwölf Partien ist das Match angesetzt, das im »Fulton Market Building« in Seaport im Süden Manhattans ausgetragen wird. In dem ehemaligen Fischmarkt, der zu einem schicken Einkaufszentrum umgebaut wurde, wird jenes Brett stehen, auf dessen 64 Feldern die beiden Kontrahenten um den Titel spielen - umgeben von Zuschauertribünen, TV-Kameras und VIP-Lounges mit Panoramablick auf die Brooklyn Bridge.

Die Fans werden die Partien im Internet verfolgen, das dem Schachsport vollkommen neue Zuschauerkreise erschlossen hat: Für 15 Dollar gibt es einen Turnierpass mit vollem Zugang zu Liveübertragung und Kommentierung durch die ungarische Großmeisterin Judit Polgar, die als die spielstärkste Frau in der Geschichte des Sports gilt. Stolz rühmen sich die Veranstalter, die erste Weltmeisterschaft mit Virtual-Reality-Übertragung zu sein. Wer will, kann mit seiner VR-Brille live in das Geschehen im »Fulton Market Building« eintauchen oder mit dem Handy die »Players Arena« im 360-Grad-Modus erkunden. Ob die Darstellung des Geschehens am Schachbrett damit wirklich an Spannung und Action gewinnt? Die Zuschauer werden es herausfinden.

Für Magnus Carlsen ist es sein drittes WM-Endspiel, nach zwei Matches gegen den Inder Viswanathan Anand (2013/2014) muss er sich bei seiner zweiten Titelverteidigung nun erstmals mit dem Russen Sergej Karjakin messen. Bis zum 30. November, an dem Carlsen seinen 26. Geburtstag feiert, sind die Partien angesetzt. Sobald einer der Kontrahenten 6,5 Punkte hat, ist das Match vorbei.

Die meisten Schachexperten erwarten, dass Carlsen mit seinem Variantenreichtum das Duell schon vor Ablauf der zwölf Partien für sich entscheidet. In Sachen ELO-Punktzahl, mit der die Spielstärke der Schachspieler bemessen wird, hat der seit 2011 die Weltrangliste anführende Norweger (ELO: 2853) stattliche 81 Punkte Vorsprung vor Karjakin (ELO: 2772). Im Schach sind das fast schon Welten.

Andererseits war der Weltranglistenneunte aus Russland auch beim Kandidatenturnier in Moskau im Frühjahr mit der zweitschlechtesten ELO-Zahl aller Starter angetreten, hatte das Turnier aber dennoch überraschend für sich entscheiden können, als er den Weltranglistenzweiten Fabiano Caruana (USA) bezwang.

Die beiden WM-Kontrahenten 2016 entstammen beide dem Jahrgang 1990. Zwar läuft in den Kinos gerade ein Dokumentarfilm mit dem Titel »Magnus Carlsen - Mozart des Schachs« an, doch in jungen Jahren hatte eigentlich Karjakin die Nase vorn. Der aus Simferopol auf der Krim stammende Karjakin wurde bereits mit zwölf Jahren und sieben Monaten der jüngste Großmeister aller Zeiten, Carlsen gelang dies »erst« mit 13. In Jugendturnieren spielte der gebürtige Ukrainer, der erst 2009 die russische Staatsbürgerschaft annahm, erfolgreicher als sein norwegischer Altersgenosse. Mittlerweile hat Carlsen ihn überholt, doch für die russische Schachwelt ist seine Teilnahme schon ein Genugtuung, nachdem seit 2008 kein Russe mehr an einem WM-Kampf beteiligt war.

Unklar ist, ob der umstrittene russische Schachweltverbandspräsident Kirsan Iljumschinow überhaupt zum WM-Duell in die USA einreisen darf. Der ehemalige Präsident der Republik Kalmückien, seit 1995 trotz etlicher Skandale an der Spitze des Verbandes, ist von den USA zur unerwünschten Person erklärt worden: 2012 soll er sich mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad getroffen und Ölgeschäfte vermittelt haben. Derzeit besucht Iljumschinow den Iran, wo er verbreiten ließ, Facebook-Boss Mark Zuckerberg und Microsoft-Gründer Bill Gates würden zur Schach-WM kommen. Zumindest Gates hat das bereits dementieren lassen.

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