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Unmoral an allen Küsten

Im Kino: »Café Society« von Woody Allen

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 4 Min.

Bobby und Vonnie, der nette naive Junge aus Brooklyn und die erfrischend natürliche Sekretärin aus Nevada in L.A - vielleicht wären sie tatsächlich ein schönes Paar. Wenn Vonnie nicht schon jemand anderen hätte, den sie denn doch nicht aufgeben mag, weil er all das schon besitzt und darstellt, wohin es für Bobby noch ein weiter Weg ist. Dieser andere ist ein Hollywoodgeschäftemacher, der mit den Stars frühstückt und mit ihren Namen nur so um sich wirft. Und alles wäre gut, wenn Bobby außerdem nicht diesen von ihm unkritisch bewunderten älteren Bruder in New York hätte, der sich im Nachtclub-Geschäft eine goldene Nase verdient - und am Ende ein paar Handschellen.

Bobby (Jesse Eisenberg) und Vonnie (Kristen Stewart) sind die neuesten Helden in der Woody-Allen-Saga, und natürlich leben sie ihr Leben zu dem Jazz des Soundtrack, schlürfen Cocktails und haben smarte Sprüche auf den Lippen. »Café Society« spielt im Hollywood und im New York der 1930er Jahre. Der Ton ist ernsthafter als in der federleicht-substanzlosen Sommerkomödie »Magic in the Moonlight« von 2014, wieder etwas komischer als im abgründig-dramatischen »Irrational Man« von 2015, und sehr viel leichtgewichtiger als in »Blue Jasmine«, dem Woody-Allen-Film von 2013, der zu seinen besten zählt.

Das »Name Dropping« ist nicht ganz so ausgeprägt in »Café Society« wie in »Midnight in Paris« von 2011, und anders als dort, wo die Pariser Literatenszene nicht nur den Hintergrund, sondern auch das Figurenpersonal der Geschichte bildete, werden die Stars hier bloß namentlich erwähnt, aber dann nicht auch noch inszeniert. Ginger Rogers also und Adolphe Menjou, Errol Flynn, Gary Cooper, Joan Crawford - es sind Goldene Zeiten in Hollywood, und Agent Phil Stern (Komiker Steve Carell in einer seiner ernsten Rollen) steckt mitten drin.

Bobby, der Neuzugang aus New York, ist sein Neffe, er soll nun irgendwie reüssieren in dem Geschäft, das schon den Onkel reich machte. Der aber hat zunächst keine Zeit, dann keinen Job für ihn. Oder jedenfalls ganz sicher nichts, was irgendwie zu Bobbys und seiner Mutter Ambitionen passen würde. Immerhin setzt Phil aber seine reizende Assistentin auf den Jungen an. Die soll ihm die Stadt zeigen. Und Bobby ist alsbald hingerissen, von Vonnie - noch mehr als von Hollywood. Vonnie warnt vor, sie habe da jemand anderen, zeigt sich dann doch interessiert, macht Bobby Hoffnungen - und zerschlägt sie jäh wieder. Der »andere« ist genau der, den man als Zuschauer in einer solchen Rolle erwartet und sich als sein Onkel entpuppt. Bobby wird denn wohl ein bisschen zynischer nach New York zurückkehren als er von dort auszog, um im fernen Hollywood sein Glück zu machen.

Der nächste Mentor in seinem jungen Berufsleben wird sein Gangsterbruder sein, was für Bobby erstaunlich gut funktioniert, über alle moralischen Bedenken hinweg und auch über den unrühmlichen Abgang des Bruders hinaus. (So sehr anders als Hollywood funktioniert dieses New York also offenbar auch nicht.) Der Pragmatismus hat obsiegt, Geld, Macht und Einfluss sind wichtiger als Glück, die junge Liebe verläuft im Nichts. Vonnie bleibt ihrer Vorgeschichte treu, und Bobby verheiratet sich anderweitig, mit einer hübschen Blondine, mit der ihn herzlich wenig verbindet. Ein paar Jahre und etliche ziemlich abgeschmackte Gangsterwitzchen später trifft man sich wieder in Bobbys Nachtclub. Und es passiert - noch einmal das gleiche.

Jesse Eisenberg, der eiskalt kalkulierende Mark Zuckerberg aus David Finchers »The Social Network«, ist als Woody Allens Alter Ego in diesem Film nicht schlecht, Kristen Stewart (»Die Glocken von Sils Maria«) als hin- und hergerissene Vonnie ein echter Glücksfall für den Film (wenn auch sichtlich unterfordert). Los Angeles und New York bilden weniger antithetische Einheiten, sie sind vielmehr Spiegelbilder voneinander: Was in Hollywood die Stars, sind im New Yorker Nachtleben korrupte Politiker und internationale Business-Größen. Unterm Strich wirkt der Film länger als er ist, zynischer als er gemeint sein dürfte, relativ schwergängig und eher unkomisch. Ganz nebenbei ist er außerdem Woody Allens erste Digitalproduktion.

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