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Sevnica hofft auf Trump-Besuch

Genugtuung und Sorge in Südosteuropa über den Wahlausgang in den USA

  • Von Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 3 Min.

Zumindest im slowenischen Geburtsort der künftigen First Lady wurde während der US-Wahlnacht bis zum Morgen gefeiert. In Schüttelreimen besangen lokale Barden den Einzug der bis zu ihrem 14. Lebensjahr in Sevnica lebenden Wahlsieger-Gattin Melania ins Weiße Haus, der dem 5000-Seelen-Ort eine »Markt-Nische« bescheren werde. Er sei nicht nur »wegen Melania« über die Wahl von Donald Trump »sehr zufrieden und glücklich«, bekannte im Scheinwerferlicht der Kameras Bürgermeister Srecko Ocvirk: »Ich rechne damit, dass er uns im Verlauf seines Mandats besuchen kommt.«

Von Freude über Häme bis zu offener Sorge reichen die Reaktionen in Südosteuropa auf den Wahlausgang. Ob Politiker und Analysten der Region eine mögliche Annäherung zwischen Washington und Moskau befürchten oder begrüßen: Einhellig ist deren Hoffnung, Erwartung oder Furcht, dass der Einfluss Russlands auf dem Balkan zunehmen könnte.

»Was für großartige Neuigkeiten. Die Demokratie lebt noch«, reagierte Ungarns nationalpopulistischer Ministerpräsident Viktor Orban per Facebook begeistert auf die Nachricht des Erfolgs seines Gesinnungsgenossen. Genugtuung löste der Trump-Triumph auch bei den serbischen Ultranationalisten aus. Bevor der »Kriegsverbrecher« Bill Clinton mit der Bombardierung Serbiens von seinen »außerehelichen Affären« habe ablenken wollen, seien Washington und Belgrad in den beiden Weltkriegen und selbst während des Kalten Kriegs immer »Freunde und Verbündete« gewesen, meinte SRS-Chef Vojislav Seselj: Mit dem Wahlsieg Trumps ende nun eine »schandhafte Episode« in den Beziehungen beider Staaten.

Diplomatischer drückten die Amtsträger Serbiens ihre Erwartung aus, dass bei einer Entspannung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington auch der Druck der Europäischen Union auf das zwischen Ost und West balancierende Belgrad abnehmen könne, sich stärker von Russland abzugrenzen. Mit der Versicherung, dass er »keine Sekunde« einen der beiden Kandidaten unterstützt habe, stellte Serbiens rechtspopulistischer Premierminister Aleksandar Vucic wieder einmal seinen Ruf als einer der elastischsten Wendehälse der Region unter Beweis: Im Stimmenstreit der USA war er noch als Redner bei der Bill-Clinton-Stiftung aufgetreten.

Betroffenheit löste die Niederlage von Hillary Clinton trotz höflicher Glückwunschtelegramme an ihren Konkurrenten hingegen nicht nur in Albanien und Kosovo, sondern auch bei muslimischen Politikern in Bosnien und Herzegowina aus: Vor allem in Kosovo wird ihr Mann Bill noch immer als Wegbereiter der Unabhängigkeit verehrt. Auch die mit den USA traditionell eng verbundenen NATO-Partner Kroatien und Rumänien sorgen sich. Ein verstärkter US-Isolationismus könnte eine »politische Nische« zur Verstärkung des russischen Einflusses auf dem Balkan eröffnen, warnt der kroatische Analyst Davor Gjenero. Kurzfristig rechnet der rumänische Analyst Andrei Tanea mit keiner Kehrtwende in der US-Außenpolitik: Aber es sei »besorgniserregend«, dass Trump das US-Engagement in der NATO und die Unterstützung für die EU-Politik gegenüber Russland »lockern« könne.

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