Werbung

Wissenschaft wird Chefsache

Rot-Rot-Grün präsentierte Mittwochabend Senatoren und Präambel des Koalitionsvertrags

  • Von Ellen Wesemüller
  • Lesedauer: 3 Min.

»Das waren harte, arbeitsreiche und intensive Verhandlungen«, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zum erfolgreichen Abschluss der Koalitionsgespräche von SPD, LINKEN und Grünen am Mittwoch um kurz nach 17 Uhr. »Habemus Koalitionsvetrag«, twitterte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek bereits eine Stunde vorher. »Das wir es uns leicht gemacht hätten, kann man nun wirklich nicht behaupteten«, ließ Klaus Lederer, Noch-Landeschef der LINKEN über der Kurznachrichtendienst wissen. 270 Seiten Vertrag sind das Ergebnis von sechs Wochen Verhandlungen. Auch die Ressorts sind verteilt. Nach Informationen der dpa übernimmt die SPD wie bisher die Senatsverwaltungen für Finanzen, Inneres, Bildung sowie Gesundheit und Verbraucherschutz. Die LINKE bekommt Wohnen/Mieten, Kultur sowie Arbeit/Soziales. Die Grünen übernehmen Wirtschaft, Verkehr/Umwelt sowie Justiz.

Wie der »Tagesspiegel« berichtete, will der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Wissenschaftsressort in die Senatskanzlei holen. »Wir finden das großartig. Es ist die richtige strategische Entscheidung, das Thema Wissenschaft auf höchster Ebene zu bedienen«, sagte Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität . »Unverständlich« nennt CDU-Generalsekretär Kai Wegner das. Denn: »Fachressorts führt man nicht nebenbei.«

Neu für Inneres soll der bisherige Stadtentwicklungssenator und SPD-Vize Andreas Geisel zuständig werden. Michael Müller konnte sich einen Seitenhieb auf den scheidenden Innensenator Frank Henkel nicht verkneifen. »Der Polizeibereich wurde in den letzten Jahren vernachlässigt«, sagt er. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) bleibt im Amt. Für Gesundheit und Verbraucherschutz wird die bisherige Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) zuständig sein. Die Besetzung des Bildungsressorts ist offen. Zuletzt hatte es viel Kritik an Amtsinhaberin Sandra Scheeres (SPD) gegeben.

Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop wird wie erwartet Wirtschaftssenatorin. Dazu soll noch der Bereich Energie kommen. Für Justiz ist der Grünen-Abgeordnete Dirk Behrendt im Gespräch. Wie erwartet, wird die bisherige Umwelt- und Stadtentwicklungsverwaltung geteilt. Verkehr und Umwelt bekommen die Grünen. Einen Kandidaten nannten sie bis Redaktionsschluss nicht.

Für Wohnen und Mieten, den anderen Teil der ehemaligen Stadtentwicklungsverwaltung, wird künftig Katrin Lompscher von der Linkspartei zuständig sein. Sie war bereits unter Rot-Rot Senatorin, allerdings für Gesundheit. Damit erhält die Wohnungsexpertin Lompscher ihr Wunschressort. Wer für die LINKE das Ressort Arbeit und Soziales übernehmen soll, blieb zunächst offen.

Nach zehnjähriger Pause wird es auch wieder ein eigenständiges Kulturressort geben, dieses übernimmt Klaus Lederer. Seit Klaus Wowereits Wahl 2006 war der Regierende Bürgermeister für das Ressort mitverantwortlich. Im Wahlkampf hatte Müller mehrfach weiteres Interesse an dem Amt bekundet. Nach den rot-rot-grünen Koalitionsverhandlungen wird die Zahl der Senatorenposten aber von acht auf zehn aufgestockt. Dadurch kann die Kultur, die gerade in Berlin Leuchtturmcharakter hat, wieder selbstständig besetzt werden. Was aus dem bisherigen Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) wird, war zunächst offen.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja sagte zur voraussichtlichen Ressortverteilung: »Wer so das Fell des Berliner Bären verteilt, muss sich nicht wundern, wenn der plötzlich wieder aufsteht und kundtut: ›Ich habe die Schnauze voll‹.«

Doro Zinke, Landeschefin des Deutschen Gewerkschaftbundes für Berlin-Brandenburg lobte die guten Ansätze. »Angesichts der vielen drängenden Aufgaben in Berlin ist es gut, dass sich die Verhandlungspartner auf eine Regierungsbildung geeinigt haben.« mit dpa

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!