Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Nur ein Arzt pro 733 Einwohner

Offiziell mangelt es in Brandenburg nicht an Medizinern, aber an vielen Stellen fehlen sie doch

In Brandenburg ist die Zahl der Ärzte leicht angestiegen. Dennoch fehlen vielerorts Mediziner. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) droht in 13 der 46 Regionen eine Unterversorgung mit Hausärzten. In den Regionen Bad Freienwalde, Eisenhüttenstadt, Kyritz, Lübben, Rathenow und Templin fehlen Augenärzte, in Lauchhammer sogar massiv. Templin ist auch mit Dermatologen unterversorgt. Für KVBB-Sprecher Christian Wehry ist der große Bedarf vor allem auf die gestiegene Lebenserwartung zurückzuführen. »Die Menschen leben immer länger, dadurch gibt es auch immer mehr Kranke.«

Laut KVBB gab es Ende vergangenen Jahres 3695 Vertragsärzte in Brandenburg - 74 mehr als zwölf Monate zuvor. Mit 733 Einwohnern pro Mediziner hat Brandenburg bundesweit die geringste Ärztedichte. Im Schnitt der Länder liegt die Ärztedichte bei 670 Einwohnern auf einen Mediziner. Zudem sind die Ärzte in Brandenburg älter als anderswo. Knapp 29 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre und älter, bei den Fachärzten sind es etwa 20 Prozent.

Dringend gesucht werden Hausärzte, aber auch Frauen- und Kinderärzte sowie Fachärzte für Augen-, Haut- und Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen. Dabei ist die Situation im Land sehr unterschiedlich. Zwar sind die ländlichen Gebiete vom Ärztemangel am ehesten bedroht. Doch klagen auch Einwohner in den Gemeinden im Umkreis Berlins über lange Wege zum Doktor. So fehlen in Neuenhagen Hausärzte, während die Gegend von Elsterwerda und Bad Liebenwerda als hausärztlich überversorgt gilt.

Wegen des vergleichsweise hohen Alters der Mediziner in Brandenburg droht die Arztdichte in den kommenden Jahren weiter abzunehmen. Von einem generellen Ärztemangel will Wehry aber nicht sprechen. »Die Ärztezahlen entwickeln sich über alle Bereiche positiv«, sagt er.

Das wird beim größten Sozialverband Brandenburgs, der Volkssolidarität, anders bewertet. Andrea Schiller, Chefin der Sozialstation in Wittstock, sagt, die heutige Lage sei eindeutig nicht besser als vor fünf Jahren. Etliche Praxen in ihrem Gebiet haben ihr zufolge geschlossen.

Cornelia Kossatz, Leiterin der Sozialstation in Cottbus, sieht ebenfalls keine Verbesserung. Viele Ärzte seien alt und suchen einen Nachfolger für ihre Praxis. Doch selbst in Cottbus, der zweitgrößten Stadt Brandenburgs, gebe es zu wenig Interessenten. »Die Warteräume sind voll, die Facharzttermine rar«, lautet das Urteil von Kossatz.

In Guben hilft die Naemi-Wilke-Stiftung mit ihrer Tochter Medizinische Einrichtungsgesellschaft, die ärztliche Versorgung zu sichern. Etliche Mediziner seien aus Polen angeworben worden, sagt Claudia Stein, Vizechefin der dortigen Sozialstation. Dennoch fehlen Augenärzte und Diabetologen. Längere Zeit habe es auch keinen Neurologen und Psychologen in der Stadt gegeben. Nun komme wenigstens an drei Tagen in der Woche ein Neurologe aus Berlin.

Um die Situation zu verbessern, bieten KVBB und Krankenkassen Ärzten für eine eigene Praxis finanzielle Hilfen von bis zu 50 000 Euro an. Dennoch ziehe es viele junge Mediziner wegen besserer Verdienstmöglichkeiten ins Ausland oder nach Berlin, sagt Wehry.

Aufwind erhofft sich die KVBB von einem Projekt in Templin. Dort sollen mit der AOK, der Barmer GEK und dem Sana-Krankenhaus neue Strukturen für den ländlichen Raum erprobt werden. So soll unter anderem ein regionales Ärztenetz die Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxen verbessern. Geplant sind ein ambulant-stationäres Zentrum und ein Pflegenetzwerk. Für die verschiedenen Behandlungswege soll es eine zentrale Anlaufstelle für die Patienten geben. Verläuft das mit 14,5 Millionen Euro geförderte Projekt erfolgreich, soll es auf andere Regionen Brandenburgs übertragen werden. dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln