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Reden ist Gold

Kali-Gipfel in Thüringen: K+S-Konzern wird keine hohen Gewinne aus seinen Werken ziehen

  • Von Sebastian Haak, Erfurt
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Konzern Kali+Salz AG (K+S) steht vor entscheidenden Wochen - und das auf den ersten Blick unabhängig von dem, was an diesem Montag in Erfurt diskutiert wurde. Was nicht bedeutet, dass die Gespräche zwischen Vertretern der Thüringer Landesregierung und des Konzerns unwichtig gewesen wären. Immerhin, sagten alle Teilnehmer, rede man nun wenigstens wieder auf allen Ebenen miteinander. Nachdem man zuletzt vor allem übereinander gesprochen habe, so Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE). Alleine seine Anwesenheit beim Kali-Kolloquium demonstrierte, wie wichtig dem rot-rot-grün regierten Freistaat die Probleme von K+S sind. Die auch Probleme Thüringens sind, weil es um sauberes Wasser und um viele Arbeitsplätze im hessisch-thüringischen Grenzgebiet geht. Das Unternehmen beschäftigt hier etwa 4400 Menschen. Wegen Entsorgungsengpässen gab es 2016 mehrfach Kurzarbeit in zwei Kali-Werken in Thüringen und Hessen.

Nach Angaben eines K+S-Sprechers wird für die nächsten Wochen und Monate zentral sein, ob das Regierungspräsidium Kassel dem Unternehmen wieder die Versenkung laugenhaltiger Produktionsabwässer in den Boden erlaubt. Etwa zwei Millionen Kubikmeter pro Jahr will K+S auf diese Weise loswerden, von etwa sieben Millionen Kubikmetern, die in den Bergwerken im Werra-Revier anfallen oder von den Kali-Halden abgespült werden. Wenn das Regierungspräsidium dies nicht genehmige, sagt der Sprecher, brauche das Unternehmen entweder sehr schnell neue alternative Entsorgungswege. Die aber nicht so einfach zu finden sind, wie auch dieses Kolloquium zeigte. Oder aber, sagt er, man stehe bei K+S vor »Produktionseinschränkungen in einer völlig neuen Qualität«. Damit es nicht so weit kommt, werde laut Ramelow geprüft, ob ein Teil der salzhaltigen Abwässer in der stillgelegten Kali-Grube Bischofferode eingelagert werden könne.

Allerdings, so wurde beim Erfurter Spitzentreffen deutlich, würden selbst dann noch erhebliche Mengen Lauge im Werra-Revier anfallen, wenn das Unternehmen seine Produktion sofort einstellen würde und damit die Arbeitsplätze in der Region verloren gingen, die unmittelbar an dem Unternehmen hängen. Ramelow wie auch Landesumweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) wiesen während einer Pause des Treffens mehrfach auf diesen Umstand hin. Denn alleine das, was von den Halden abgespült werde und so in die Werra gelange, sei so viel Lauge, dass der Fluss 2027 nicht in dem Zustand sein werde, den er aber laut dann geltender Grenzwerte haben müsse. Die Halden sollen deshalb mittelfristig abgedeckt werden. Das ist schon beschlossen.

Dass neben Ramelow und Siegesmund auch zum Beispiel der Leiter der K+S-Werra-Werke, Rainer Gerling, das Kolloquium lobte, liegt nicht daran, dass neue konkrete Maßnahmen beschlossen worden wären. Sondern vor allem daran, dass in Thüringen überhaupt wieder grundsätzlich über die Problemlage Kali gesprochen wird und zwar mit allen Beteiligten. Was Rot-Rot-Grün inzwischen zu einer Art Markenzeichen gemacht hat: Reden; auch wenn dabei nicht immer klar ist, mit welchem Ergebnis. Was K+S allerdings durchaus die Möglichkeit gibt, noch einmal deutlich zu machen, wie aus seiner Sicht akut gefährdet die vollumfängliche Kali-Produktion in der Region ist. Immerhin rede das Unternehmen derzeit nicht davon, in den nächsten vier bis fünf Jahren einen hohen Gewinn aus den Werken ziehen zu können, sondern bestenfalls darüber, die Situation »stabilisieren« zu können, sagt Gerling beispielsweise. Auch, um Kunden zu halten.

Und so stand das Kali-Kolloquium auf den zweiten Blick doch noch in einem engen Zusammenhang mit dem, was in Kassel entschieden werden soll. Auch wenn das nach Angaben von Ramelow überhaupt nicht beabsichtigt ist. Mindestens indirekt hat dieser Gipfel den Druck auf die Hessen, im Sinne des Unternehmens zu entscheiden, nämlich erhöht.

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