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Zwischen Dürre und Flutwelle

  • Von Friederike Meier
  • Lesedauer: 2 Min.

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Bolivien leidet seit zwei Wochen unter der schlimmsten Dürre der vergangenen 25 Jahre. In dieser Woche rief die Regierung in La Paz den Katastrophenfall aus, die Bevölkerung wird nach Medienberichten aufgerufen, Wasser zu sparen. Verschärft wird die Dürre durch das Klimaphänomen El Niño, Fehlplanungen und den Klimawandel.

So ist das Jahr 2016 das heißeste in Bolivien seit 100 Jahren. Das ließ nicht nur den zweitgrößten See des Landes, den Poopó-See, austrocknen, sondern dürfte auch dazu beigetragen haben, dass die Gletscher der Anden weiter schmelzen. Und das hat weitreichende Folgen, auch für die anderen Anrainerstaaten des Gebirges. Rund zehn Millionen Menschen bekommen ihr Trinkwasser direkt aus den Gletschern. Die schmelzen aber so schnell wie noch nie in den vergangenen 300 Jahren.

Seit 1970 sind schon 30 bis 50 Prozent des Volumens der Anden-Gletscher weggetaut, wie eine im Magazin »The Cryosphere« veröffentlichte Studie herausfand. Und in Zukunft wird es nicht besser: Bis Ende des Jahrhunderts könnten die meisten Gletscher in den bolivianischen Anden verschwunden sein, ihre Gesamtfläche würde dann nur noch zehn Prozent der einstigen Größe ausmachen.

Insbesondere Peru und Bolivien sind abhängig von den Gletschern. In den beiden subtropischen Ländern werden die Niederschläge, die in der Regenzeit fallen, in den Gletschern gespeichert und über längere Zeit wieder abgegeben. Das ist in tropischen und subtropischen Gebirgen besonders wichtig, weil Niederschläge wegen der starken Sonneneinstrahlung nicht als Schnee gespeichert werden können.

Wenn dieser Speicher in Zukunft wegfällt, ist die Wasserversorgung in den trockenen Küstenregionen Perus und in Bolivien gefährdet - und damit auch die Landwirtschaft, die auf Bewässerung angewiesen ist. Mehrere Millionenstädte, wie Lima in Peru, Quito in Ecuador sowie La Paz und El Alto in Bolivien, könnten daher in Zukunft unter Wassermangel leiden. Die Knappheit ist heute vor allem im peruanischen Río-Santa-Tal zu spüren - ansonsten ist bisher eher das Gegenteil der Fall. Die Gletscher schmelzen schneller als sonst und lassen Gebirgsseen wie die peruanische Laguna Palcacocha anschwellen.

Die Bewohner der Andenstadt Huaraz leben direkt unterhalb des Sees und befürchten eine Katastrophe: Wenn die Dämme brechen, könnte eine 30 bis 50 Meter hohe Flutwelle die Stadt unter sich begraben. »Wir haben jeden Tag Angst, dass es passieren könnte«, berichtete Saúl Luciano Lliuya bei einem Treffen am Rande des letztjährigen Klimagipfels in Paris. Der Bergführer aus der bolivianischen Andenstadt hat nun den deutschen Energiekonzern RWE verklagt.

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