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Wenn ein Kita-Skandal gar keiner ist

Mainzer Kirche will künftig Vorwürfe genauer prüfen

Mainz. Ein Jahr, nachdem sich die Vermutung eines sexuellen Missbrauchs an einer katholischen Kita in Mainz (Rheinland-Pfalz) als haltlos entpuppt hat, klingen wieder Kinderstimmen durch die Räume der Einrichtung. Die Kita wurde renoviert und umgebaut. Auch pädagogisch hat sich einiges geändert: Ein besonderer Schwerpunkt liege nun auf einem wertschätzenden Miteinander, erklärte ein Sprecher des Bistums.

Der Umbau und das neue Konzept entstanden in Reaktion auf den Vorwurf des Missbrauchs unter Kindern in der Kita in Mainz-Weisenau. Es hieß damals, Kinder sollen sich zum Ausziehen gezwungen haben. Auch hätten sie sich Gegenstände eingeführt. Den sieben Erziehern wurde fristlos gekündigt. Am 24. November 2015 aber erklärte die Staatsanwaltschaft: Die Vorwürfe lassen sich nicht erhärten. Im März dieses Jahres wurden die Ermittlungen eingestellt.

Die ehemaligen Mitarbeiter der Kita aber konnten nicht zurück an ihren alten Arbeitsplatz. Nur noch eine der Erzieherinnen arbeitet überhaupt beim Bistum Mainz. Sechs der sieben Entlassenen klagten vor dem Mainzer Arbeitsgericht. Die Verfahren wurden laut Bistum mit einem Vergleich beendet. »Ich würde heute (...) eine Freistellung auf Zeit aussprechen statt einer fristlosen Kündigung«, sagte Dietmar Giebelmann, kommissarischer Leiter des Bistums Mainz im Juni. Nun wollte er sich nicht erneut dazu äußern.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Abschlussbericht erklärt, die Vorwürfe beruhten wahrscheinlich »letztlich auf unbewusst suggestiv beeinflussten Befragungen von Kindern durch ihre Eltern«. Anhaltspunkte für Gewalt, Zwang oder Drohung fand die Staatsanwaltschaft nach 91 Vernehmungen nicht. Es gebe lediglich Belege dafür, dass Kinder sich bei spielerischen Neckereien und Streichen »freiwillig entblößt haben«.

In der umgebauten Kita spielt nun eine Gruppe mit 15 Kindern. Später, wenn mehr Erzieherinnen eingestellt sind, soll es eine zweite solche Gruppe der »kleinen Altersmischung« geben sowie eine »geöffnete Gruppe« von zwei Jahren bis Schulalter. Die Kinder von damals gehen inzwischen in andere Einrichtungen.

Das Bistum erklärt, es habe aus den Vorgängen gelernt. Zum einen setzt man in Weisenau nun auf Transparenz sowie Beschwerdemanagement und Zusammenarbeit mit den Eltern - schließlich waren es Mütter und Väter, die die zahlreichen Vorwürfe über Gewalt und Erpressung ins Rollen brachten. Es folgte eine breite Berichterstattung, schnelle Einschätzungen von Psychiatern und eine Hauruck-Aktion des Kita-Trägers. Im Bistum wird als Reaktion nun an einem Konzept für alle rund 200 Kindertagesstätten gearbeitet.

Jutta Lehnert vom Netzwerk »Kirche von unten« hofft, dass die Kirche aus dem Fehler lernt. Entweder distanziere sie sich bei solchen Vorwürfen übereifrig oder sie verharmlose und vertusche. »Die Kirche ist von einem professionellen, sachgemäßen Umgang, der allen Betroffenen dienen würde, noch weit entfernt«, erklärte Lehnert, die Personalreferentin im Dekanat Koblenz des Bistums Trier ist und nach eigenen Angaben mit Betroffenen in Kontakt steht. dpa/nd

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