Nach dem guten Geschmack

Früher gab es die proletarische und die bürgerliche Kultur / Heute gibt es eine Kulturindustrie die alle gleichermaßen bedient

  • Von Stefan Ripplinger
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Seine Überlegenheit hat der Bürger einst mit Geld und Geschmack begründet. Heute genügt ihm sein Geld. Diesen Übergang beschreibt Terry Eagleton in seinem gerade erschienenen Buch »Culture«. Die Ungleichheit zwischen den Klassen nehme zwar geradezu ultraviktorianische Ausmaße an, aber sie werde nun nicht mehr von kulturellen Unterschieden markiert. Früher gab es wenigstens zwei Kulturen, die proletarische und die bürgerliche, heute gibt es eine Kulturindustrie, die alle gleichermaßen bedient. Auch die Gewinner sehen ganz anders aus als früher: »Die Börsenbroker, Fondsmakler, Rechtsverdreher, Unternehmer und Spekulanten, die nun dank ihrer spirituellen Schwerelosigkeit an die Spitze des Systems geweht werden, sind schwerlich für ihre ästhetische Weisheit bekannt.«

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