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Neue Menschen für Mosambik

Annotiert

  • Von Siegfried Prokop
  • Lesedauer: 2 Min.

Erfreulicherweise widmet sich das Heft III der »Zeitschrift für historische Studien« wieder einem Thema der DDR-Geschichte. Eric Allina schreibt über die Vertragsarbeiter aus Mosambik in der DDR der 1980er Jahre. Bilaterale Abkommen zwischen beiden Ländern sahen vor, dass die Vertragsarbeiter zu klassenbewussten Menschen geformt werden, die später in ihrer Heimat als »Multiplikatoren« wirken können. Seit Anfang der 1960er Jahre unterstützte die DDR die FRELIMO, die für die Unabhängigkeit von der portugiesischen Kolonialherrschaft kämpfte. Jene hatte schon 1969 als ihr Hauptziel formuliert, »einen neuen Menschen zu schaffen, der fähig ist, die Natur zum Nutzen seiner Gesellschaft umzugestalten«. Die Autorin geht auch auf Widersprüche und Probleme bei der Begegnung der mosambikanischen Arbeiter mit dem bürokratischen Sozialismus in der DDR ein. Die in der Regel jungen Mosambikaner von der heißen Front des südlichen Afrika wünschten sich einen revolutionären Sozialismus in der DDR.

Im neuen Heft ist ebenso ein Beitrag zur Sozialgeschichte zu finden. Stefan Schütte untersuchte den Alltag der Wäscher in der nordindischen Millionenstadt Banaras und deren Weg hin zu einer politischen Gemeinschaft. Beim Waschen sind bis zu elf Bearbeitungsschritte erforderlich, erfährt man. Es ist eine körperlich anstrengende Arbeit, die fast ausschließlich von Männern geleistet wird. Die Wäscher wurden zu einer Kaste degradiert, auf die die »Unreinheiten« aller anderen übertragen werden. Bemerkens- und bedenkenswert: Die Wäscher selbst weigerten sich, die Kleidung von Gruppen zu reinigen, die in ihrer subjektiven Wahrnehmung noch »unreiner« als sie selber seien, unter ihnen stünden, so die Leichenverbrenner, Straßenkehrer und Abdecker.

Der Bogen spannt sich in diesem Heft von der Revolution 1905 bis 1907 im Königreich Polen (Wiktor Marzec) über die Auseinandersetzung von Wolfgang Abendroth mit dem NS-Regime (Gregor Kritidis) bis zur 15-jährigen Geschichte der Multibranchengewerkschaft ver.di (Gunter Lange). Gerhard Engel beleuchtet die Biografie des Arbeiterdichters Werner Möller und Rainer Holze berichtet über ein Kolloquium zum deutschen Überfall auf die UdSSR 1941.

Siegfried Prokop

Arbeit - Bewegung - Geschichte. Zeitschrift für historische Studien. Heft III. Metropol Verlag, 224 S., br., 14 €; zu beziehen über: www.metropol-verlag.de

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