Die vergessenen Frauen

Wie man im bayerischen Aichach einen Massenmord verschweigt.

  • Von Rudolf Stumberger
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Das Museum im Aichacher Frauengefängnis ist ein seltsamer Ort. Gezeigt werden ein gynäkologischer Behandlungsstuhl, Gefängniskleidung und eine Kamera, die Fotos für die Verbrecherkartei lieferte. In einer Ecke ist zu lesen, dass eine Gefangene, eine gewisse Anna G., am 19. Februar 1940 - also während der Zeit des Nationalsozialismus - 43 Nägel, zehn Näh- und zwei Stecknadeln verschluckte. Nägel und Nadeln sind zu besichtigen. Warum Anna G. und andere Gefangene sich diese Tortur angetan haben, bleibt ebenso unklar wie das gesamte Konzept der Ausstellung.

Ohne weitere Erklärung bleiben auch die acht Zeilen über die NS-Zeit des Gefängnisses. Da wird berichtet, dass laut »Gefangenenbuch Sicherungsverwahrung« Überstellungen an die Polizei am 8. Dezember 1942 begannen und ab Januar 1943 nach Auschwitz. Die zuständige Staatsanwaltschaft sei von der Anstalt über die »vom Reichminister angeordnete Strafunterbrechung« informiert worden. Bis...


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