Der verwaltete Mensch

Was Siegfried Kracauer, der vor 50 Jahren verstorbene Analytiker der Massenkultur, uns heute noch zu sagen hat

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Die uns umgebende künstliche Umwelt altert nicht, sie verrottet. Denn sie unterliegt dem Zwang der Gegenwart - und deren Gott heißt ständige Neuheit. Was von gestern ist, zählt heute schon nicht mehr, es ist Schrott, selbst wenn es noch funktioniert (gleich ob Auto, Handy oder Computer). Eine Moderne, die nicht altern kann, stirbt also andauernd unschön anzusehende Tode, die keinerlei Melancholie aufkommen lassen.

Daran denke ich, wenn ich aus dem Fenster eines Münchner Altstadthotels blicke. Auf den Dächern ein Wald von Antennen, der wie abgestorben daliegt. Im frisch aufgeräumten Osten sind die Antennen längst von den Dächern verschwunden, denn das analog-terrestrische Zeitalter ist unwiderruflich beendet. Wozu also noch Antennen, wenn alles aus dem Kabel kommt?

Siegfried Kracauer hat über solcherart Entwertungen wie kein zweiter im 20. Jahrhundert nachgedacht, etwa am Beispiel der Hosenträger, der durch den Gürtel verdräng...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.