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Auch vegane Unternehmer stoßen an Grenzen

Die Messe VeggieWorld zeigte einen sich rasant verändernden Markt für tierfreie und nachhaltige Produkte

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wollte jemand eine Studie anfertigen, wer die Entwicklung der Hauptstadt zu einer der europäischen veganen Metropolen vorantreibt, hätte er sich am Wochenende nur die Schlange vor der »Station Berlin« am Gleisdreieck anschauen müssen: Vegan? Dieses Gesicht ist in Berlin in vielen Fällen jung und weiblich, entspricht also dem, was Befragungen zeigen: Etwa zwei Drittel der vegan lebenden Menschen hierzulande sind Frauen.

Eine von ihnen ist Jennifer Braun. Die Studentin besuchte wie tausende Besucher die vegane Messe VeggieWorld, die zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsschau Heldenmarkt stattfand. Sie findet, dass sich beide Messen ergänzen. »Ich lebe ja nicht nur wegen der Tiere vegan, sondern möchte beim Einkauf darauf achten, dass die Produkte soziale und ökologische Standards erfüllen«, so die 26-Jährige. Zwischen all den veganen Würstchen, tierversuchsfreien Kosmetika und Kleidungsstücken aus fairer Herstellung fiel ihr aber ein Widerspruch auf: Während auf dem Heldenmarkt Händler wie das Ökodorf Brodowin Salami und Milchkäse anboten, erklärte in der Halle nebenan der Gründer des Magazins »Klimaretter«, Nick Reimer, dass tierische Bioprodukte kaum besser für das Klima seien als konventionelle. Er selbst esse Fleisch, glaube aber, die Welt könne von Veganern lernen.

Der hart umkämpfte Markt für Lebensmittel und Gastronomie zeigte zuletzt, dass selbst in der Vegan-Metropole Berlin der Hype Grenzen kennt. Noch im April mit einem Ansturm von 800 Gästen und einem darauf folgenden Polizeieinsatz eröffnet, schloss der Burgerladen Dandy Diner in Neukölln kürzlich seine Türen.

Längst in der Realität angekommen ist auch der Gründer der veganen Supermarktkette Veganz, Jan Bredack. Wie der rbb kürzlich meldete, schreiben bisher fast alle Filialen Verluste. Drei hat der frühere Mercedes-Manager in Berlin, sechs außerhalb der Hauptstadt. Von dem noch 2011 ehrgeizig erklärten Ziel, europaweit 60 Supermärkte zu eröffnen, hat sich Bredack verabschiedet. Ein anderer bekannter Berliner Veganer drängt umso aggressiver in den Markt: Starkoch Attila Hildmann vertreibt seit einem halben Jahr vegane Lebensmittel und verkündet großspurig, in fünf Jahren kenne man seinen »Namen einfach weltweit«.

Solche Ansagen hört man von Johannes Theuerl nicht. Er ist Mitinhaber der veganen Friedrichshainer Fleischerei L’herbivore. Die junge Manufaktur muss den Geschmacksvergleich mit großen Herstellern von veganen Würsten und Braten, etwa der auf der Messe vertretenen Firma Wheaty, nicht scheuen. Zur Zeit bemüht sich Theuerl darum, dass seine Produkte vom Bio-Großhandel gelistet werden.
Auch wenn das Umfeld aufgrund der wachsenden Konkurrenz schwieriger wird, stehen die Zeichen gut: Denn trotz Rückschlägen Einzelner, wächst die Nachfrage weiter. Vegane und vegetarische Produkte erzielten 2015 laut dem Marktforscher Mintel einen Umsatz von 454 Millionen Euro, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Doch automatischen Erfolg bedeutet ein veganes Unternehmen keinesfalls.

Wer sich auf der Messe umschaute, hatte nicht den Eindruck, der vor drei Jahren einsetzende Boom um tierleidfreies Leben verlöre an Fahrt. Auch bei Theuerl nicht: »Die Leute haben sich an unserem Stand gedrängelt.«

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