Für eine Handvoll Euro

In Ghanas Goldgruben schuften Tausende Kinder unter gefährlichen Bedingungen zu Billigstlöhnen

  • Von Kristin Palitza
  • Lesedauer: 3 Min.
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Emmanuel Kofi ist elf Jahre alt. Doch seine Kindheit endete schon vor drei Jahren. Damals begann der Junge, in einer Goldmine zu arbeiten. Emmanuel gehört zu Tausenden Kindern in Ghana, die als billige Arbeitskräfte im Bergbau missbraucht werden und ihre Gesundheit riskieren.

Von morgens bis abends steht Emmanuel in der schlammigen Grube einer Aufbereitungsanlage in der zentralen Brong-Ahafo-Provinz, einer der wichtigsten Goldregionen Ghanas. Hier wäscht er abgebautes Geröll, um winzige Goldpartikel in einem Tuch aufzufangen. In einem zerrissenen T-Shirt, das schlaff von seinen schmächtigen Schultern hängt, mischt er die gewonnenen Partikel mit bloßen Händen mit hochgiftigem Quecksilber. Um das Gold wieder aus dem Gemisch zu trennen, erhitzt er die Flüssigkeit. Emmanuel weiß nicht, dass er giftige Gase einatmet.

Vom Staub, den die Steinmühlen produzieren, sind seine Augen rot und entzündet. Doch am meisten bereiten ihm die offenen Wunden unter seinen Füßen Sorgen, die vom stundenlangen Stehen im schlammigen Wasser stammen und einfach nicht heilen wollen.

»Ich habe Unfälle gesehen, Verletzte. Das macht mir Angst«, flüstert der Junge in seiner Muttersprache Twi. Er weiß von Unfällen durch Erdrutsche, Sprengstoff und Arbeitsgeräte. Doch die umgerechnet 2,20 Euro, die er am Tag verdient, sind es ihm wert. Sie bedeuten drei Mahlzeiten. Als Emmanuel noch zur Schule ging, musste er oft hungern.

Ghana gehört nach Angaben des Geologischen Dienstes der Vereinigten Staaten zu den zehn größten Goldproduzenten der Welt. Das Edelmetall wird hauptsächlich in die Schweiz, die Vereinten Arabischen Emirate, nach Südafrika, in die Türkei, nach Libanon und in die USA exportiert, dann an Banken, Juweliere und die Elektroindustrie verkauft.

Geschätzt ein Drittel von Ghanas Gold stammt aus kleinen, oft illegalen Minen, wie jenem Bergwerk, in dem Emmanuel arbeitet. Das entspricht laut Regierungsangaben einem Handelswert von mehr als 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. Obwohl es Händlern gesetzlich vorgeschrieben ist, Menschenrechtskriterien beim Kauf zu beachten, landet das Gold auf internationalen Märkten.

»Die von uns befragten Händler haben weder versucht, sich über die Arbeitsbedingungen noch die Legalität der Minen zu informieren«, sagt Juliane Kippenberg, von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die über viele Wochen Interviews in Ghanas Bergbausektor führte. Die Händler würden nur ein einziges Kriterium anwenden: Es muss echtes Gold sein.

Etwa ein Drittel der 120 Arbeiter, die mit Emmanuel schuften, ist minderjährig. Minenmanager Emmanuel Appiah scheint von Ghanas Kindergesetz und internationalen Richtlinien, die Kinderarbeit im Bergbau verbieten, nichts zu wissen. Appiah sagt nicht nur, dass er Kinder beschäftigt, sondern auch, dass er ihnen flüssiges Quecksilber verkauft.

»Manchmal bleibt es an meinen Handflächen kleben«, sagt der 15-jährige Richmond Asiamah einer der wenigen Kinderarbeiter, die wissen, dass das Schwermetall das zentrale Nervensystem angreift. »Ich weiß, dass es dich töten kann, wenn du lange damit arbeitest.«

Richmond will nicht im Bergbau arbeiten. Doch seitdem sein Vater starb und die Mutter ihn und seine acht Geschwister nicht mehr allein durchbringen konnte, habe er keine Wahl. Manager wie Appiah haben wenig zu befürchten, denn die Regierung tut kaum etwas, um die Kinderarbeit in Goldminen zu bekämpfen.

»Wir wissen, es ist ein gravierendes Problem, aber wir haben kein Budget«, erklärt Lisbeth Akanbombiri, Leiterin des Bereichs Kinderarbeit innerhalb des Arbeitsministeriums. Damit sei die Abteilung handlungsunfähig. Kritiker sehen darin den Beweis, dass der Regierung der politische Wille fehlt, das Problem anzugehen.

Mehr als die Hälfte aller Schüler der Grundschule, die Emmanuel früher besucht hatte, arbeitet nach dem Unterricht in einer Mine. Das jüngste Kind sei lediglich sechs Jahre alt, sagt Lehrer Emmanuel Boateng. »Wir versuchen, die Kinder über die Gefahren des Bergbaus aufzuklären«, klagt der Lehrer. »Aber sie gehen trotzdem hin, denn sie brauchen das Geld.« dpa/nd

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