Sabine Neubert 01.12.2016 / Literatur
Literatur

Optimistische Tragödien

Helmut Zemke: »Der Mann mit dem Kneifer« - vier Erzählungen lassen ein großes Talent entdecken

Hier ist ein großer Erzähler zu entdecken, ein Autor, der die schon fast vergessene Hegelsche Frage nach Freiheit und Notwendigkeit wieder neu in Erinnerung bringt, die Frage nach den Spielräumen für moralisches Handeln des Einzelnen unter gesellschaftlichen Zwängen. Helmut Zemkes Erzählungen, jede ein ganzer Kosmos menschlicher Verstrickungen, spiegeln die Tragödien des 20. Jahrhunderts.

Die Schicksale ihrer Protagonisten sind in die Erschütterungen und Brüche der Zeitläufe unlösbar verwoben. Dass der Autor Autobiographisches einfließen ließ, dass er die Erschütterungen der Zeit offensichtlich wie ein Seismograph wahrgenommen und zu Erzählungen verdichtet hat, machen sie so authentisch, so wahr, so bedrückend.

Helmut Zemke (1924-2016) dürfte manchem in der DDR als Feuilletonchef der Illustrierten »Freie Welt«, bekannt gewesen sein. Was wenige wussten: dass er in den 1950er Jahren zu Unrecht als angeblicher Spion im Zuchthaus...

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