Von Stephan Fischer
01.12.2016

Geschenke der Globalisierung

Stephan Fischer über Ängste, wo Furcht angebracht wäre

ff
Irgendwo hat immer ein Aktienmarkt offen und deshalb muss auch überall immer gearbeitet werden.

»Die Griechen fürcht’ ich, auch wenn sie Geschenke bringen.« Was Schiller über das Trojanische Pferd dichtete, fühlen heute viele Menschen, wenn es um die Globalisierung geht. Diffuse Ängste werden zu konkreter Furcht vor dem, was sie an vergifteten Geschenken mitbringt. Singt die Wirtschaft das Hohelied des freien Wirtschafts- und Warenverkehrs, hören sie den Sirenengesang vom Abbau von Arbeitsplätzen, Sozialstandards, letztendlich vom Verlust von Sicherheit. Abstiegsängste werden umso größer, je höher das Ross ist, von dem man zu fallen droht.

Dass Rechtspopulisten diese Ängste ausnutzen, das ist ihr Geschäft. Wie sie diese in Furcht vor den »Fremden« ummünzt, ist Gift. Falsche Medizin. Denn die berechtigten Befürchtungen entspringen nicht der Globalisierung - sie sind Ergebnis einer neoliberalen Globalisierung. Einer Entwicklung, die schrankenlos erst jenes Gesetz des Stärkeren global etabliert hat, das immer mehr Verlierer produziert, ökonomisch und ökologisch. Die sich dann auf den Weg zu den vermeintlichen Gewinnern machen. Wo die Furcht den Boten, nicht den Ursachen ihres Kommens gilt.

Der Rückfall in Nationalismen, der daraus folgt, kann furchtbare Folgen zeitigen. Globalisierung braucht globale, durchsetzbare Regeln und Standards. Ökonomische, ökologische - und politische. Für alle Akteure gerecht geltend. Die wirkliche Furcht aber - die sollte der jetzigen neoliberalen Globalisierung samt ihren »Geschenken« vorbehalten sein.

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