Für die Frauen bleiben nur die kleinen Schanzen

Skisprung-Olympiasiegerin Carina Vogt will sich in diesem Winter einen Traum erfüllen - und kritisiert den Weltverband

Carina Vogt kämpft gerne für Gerechtigkeit, schon von Berufs wegen. Wenn die einzige Skisprung-Olympiasiegerin der Geschichte am Freitag in die neue Saison startet, hat die 24-Jährige daher auch gleich zwei große Ziele. Die Polizeimeisterin hofft auf WM-Gold - und mehr Anerkennung für ihren Sport.

»Wir haben noch viele Wünsche, weil das Frauen-Skispringen noch immer nicht vergleichbar ist mit dem Männer-Skispringen. Die vergangenen Jahre ist nicht so viel nach vorne gegangen, wie wir uns nach Olympia in Sotschi erhofft hatten«, sagte Vogt. Der Auftakt im norwegischen Lillehammer macht das Problem deutlich: Vogt und Co. springen von der kleinen Schanze, der große Bakken bleibt den Männern vorbehalten.

Nur zwei Mal dürfen die Frauen in diesem Winter auf eine große Anlage, im Januar in Oberstdorf und beim Saisonfinale in Oslo. »Es sind von der FIS wenige Zugeständnisse gekommen«, sagt Vogt. Auch eine Art Vierschanzentournee hatte die Schwäbin mal ins Gespräch gebracht, bislang vergeblich. Als Vorbild nennt sie das Frauen-Biathlon, das erst 32 Jahre nach den Männern olympisch wurde und längst ebenbürtig ist.

Noch unverständlicher ist der Verzicht auf ein Mixed-Springen. Bei der WM in Lahti gehört der gemeinsame Wettbewerb mit den Männern wieder zum Programm, irgendwann soll er olympisch werden. Im Weltcup dagegen findet er zum dritten Mal in Folge nicht statt. Auch Teamwettkämpfe sind Fehlanzeige, von einem Skifliegen, zumindest für die besten Frauen, ganz zu schweigen.

Und so konzentriert sich Vogt erst einmal auf das Sportliche. Ihre bisherige Karriere verlief kurios: Im Weltcup hat die Degenfelderin erst zweimal gesiegt, im vergangenen Winter gab es sogar keinen einzigen Podestplatz. Dafür hat sie die drei wichtigsten Wettkämpfe seit 2014 allesamt gewonnen. In Sotschi flog Vogt zu Gold, bei der WM 2015 in Falun wurde sie Weltmeisterin und holte zudem an der Seite von Severin Freund, Richard Freitag und Katharina Althaus den Titel im Mixed. Fehlt nur noch die Kristallkugel.

»Natürlich habe ich den Gesamtweltcup immer im Hinterkopf. Das ist der große Traum, der bisher noch unerfüllt ist«, sagt Vogt. Härteste Konkurrentinnen werden wohl Sara und Sarah: Die 20 Jahre alte Japanerin Sara Takanashi hat seit Einführung des Weltcups im Jahr 2011 unglaubliche 44 von 79 Wettbewerben gewonnen. Die Amerikanerin Sarah Hendrickson (22) wurde 2013 Weltmeisterin, ehe sie von schweren Verletzungen zurückgeworfen wurde und die vergangene Saison komplett verpasste.

Anders als Sara und Sarah hat Carina Vogt ihre großen Titel längst in der Tasche. Das könnte von Vorteil sein. »Ich muss niemandem mehr irgendwas beweisen«, sagt die Kämpferin für Gerechtigkeit: »Alles was jetzt kommt, ist Zugabe.« SID/nd

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