Von Kurt Stenger
02.12.2016

Die Öl-Malaise

Kurt Stenger über die OPEC

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So funktioniert freie Marktwirtschaft: Wenn ein Unternehmen nicht profitabel produziert, versucht es, durch Verkauf immer größerer Mengen Einnahmen zu generieren. Geht dies gut, verschwinden Konkurrenten vom Markt und unser Unternehmen erhöht die Preise. Geht dies schief, ist die Dauermalaise programmiert. Genau das tun die Ölproduzenten seit Jahren - mit dem Unterschied, dass ganze Staaten vom sozialistischen Venezuela bis hin zum feudalen Saudi-Arabien Richtung Bankrott taumeln.

Öl ist kein normales Produkt, es kann Kriege auslösen. Denn ganze Staaten leben nur vom Verkauf, ganze Wirtschaften sind abhängig von der billigen Verfügbarkeit. Preise sind daher ein Politikum. Davon zeugt auch die OPEC, die sich mit der Fördermengenkürzung als Kartell in Erinnerung ruft. Doch sie ist längst ein Schatten ihrer selbst: Die Mitglieder ziehen nicht an einem Strang und die meisten Produzenten sind hier nicht vertreten. Konzerne in den USA werden munter drauflos fördern - und sich zusätzlich an etwas höheren Preisen erfreuen.

So ist der Preisanstieg ein Strohfeuer. Zumal die globale Nachfrage wegen der Konjunkturschwäche stärker abnimmt als das Angebot. Ohnehin sind die Tage der Ölproduktion gezählt. Die Frage ist nur, ob die Energiewende etwa im Verkehrsbereich schneller kommt als die Erschöpfung der rentabel förderbaren Vorkommen. Den OPEC-Staaten ist zu raten, möglichst schnell ihre Öleinnahmen in die Umstrukturierung der Wirtschaft zu pumpen. Sonst richtet es irgendwann der Markt auf seine Weise - und die ist chaotisch und brutal.

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