Werbung

Deutsche Schüler bleiben Mittelmaß

PISA-Studie der OECD: Deutschland erneut im oberen Mittelfeld / Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert bisherige Untersuchungspraxis

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Zum zweiten Mal in der PISA-Geschichte, die 2000 mit der ersten Studie begann, wurden 2015 die Kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften getestet. Deutschland schneidet hier über dem OECD-Durschnitt ab. Es liegt demnach in etwa auf dem Niveau von Australien, Irland, Korea, Neuseeland, den Niederlanden, der Schweiz und Großbritannien. Die Rangliste wird von von Singapur angeführt, zur Spitzengruppe gehören Japan, Estland, Finnland und Kanada.

Die Macher der PISA-Studie teilen die Ergebnisse der Tests in einem sogenannten Punktesystem ein. 40 Punkte Unterschied entsprechen in etwa einer Kompetenzdifferenz von rund einem Schuljahr. Im PISA-Schwerpunktfach Naturwissenschaften kommt Deutschland auf 509 Punkte (2012: 524), in Mathematik auf 506 (514). Differenzen von zehn bis 15 Punkten gelten allerdings als wenig aussagekräftig, da sie im Bereich der statistischen Fehlertoleranz liegen. Insgesamt nahmen gut eine halbe Million Mädchen und Jungen aus rund 70 Staaten an »PISA 2015« teil. In Deutschland wurden rund 10.000 Jugendliche an knapp 260 Schulen für den Test per Zufallsprinzip ausgewählt. Größere Schulen hatten dabei größere Chancen als kleinere, da an kleinen Einrichtungen die Stichprobe in der Regel zu gering ist. Am Ende nahmen rund 6500 Schülerinnen und Schüler an den Vergleichstests teil, weniger als ein Prozent eines Jahrgangs.

Die PISA-Forscher halten ihren Test dennoch für repräsentativ. Nach wie vor ist es der Studie zufolge um die Chancengleichheit im deutschen Schulsystem schlecht bestellt. Schüler aus sozial benachteiligten Familien liegen laut PISA-Forscher gegenüber jenen aus akademischen und finanziell besser gestellten Familien um rund ein Schuljahr zurück; in Schulen, die in sogenannten Problemvierteln liegen, beträgt die Tabellendifferenz bis zu 140 Punkte. Im internationalen Vergleich sind die Unterschiede um 40 Punkte geringer. Auch bei der Geschlechterdifferenz blieb alles beim Alten: Mädchen können besser lesen, Jungen besser rechnen.

Auf diesen Stillstand in der Entwicklung hat schon vor wenigen Tagen der Koordinator der Studie Andreas Schleicher hingewiesen. Er kritisierte, dass bei den Bildungsreformen der vergangenen Jahre die Schulpraktiker wie z.B. Lehrer und Schulleitungen zu wenig mit einbezogen worden seien. Nach wie vor sei auch die Lehrerausbildung hierzulande mangelhaft. Zudem gebe Deutschland mit 4,2 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt weiterhin zu wenig für seine Bildungseinrichtungen aus.

Kritik am Design der PISA-Studie übte gestern die Bildungsgewerkschaft GEW. Sie halte eine Abkehr von der bisherigen Untersuchungspraxis für notwendig, erklärte die Schulexpertin der GEW, Ilka Hoffmann. PISA fördere keine neuen Erkenntnisse mehr zu Tage. »Wir brauchen Studien, die die Gelingensbedingungen für eine Schule, die alle Kinder und Jugendlichen zu einer umfassenden Bildung, Verantwortungsbewusstsein und einer demokratischen Grundhaltung führt, herausarbeiten«, betonte die stellvertretende GEW-Vorsitzende. Hoffmann schlug einen neuen Forschungsansatz vor, der das Umfeld, die Probleme und die Rahmenbedingungen von Schulen untersucht. Die Ergebnisse der PISA-Studien seien seit vielen Jahren die immer die gleichen, »was fehlt, sind die entsprechenden politischen Konsequenzen und Handlungsstrategien«, so Hoffmann.

Der aktuelle PISA-Test war der erste, der von den Schülerinnen und Schülern komplett computerbasiert bearbeitet werden musste. Dies galt auch für die in der sechsten PISA-Auflage seit 2000 geprüften Kompetenzen im Bereich des Problemlösens im Team. Die Jugendlichen mussten am PC Aufgaben bearbeiten, die es erforderten, dass sie zur Lösung auf virtuelle Mitschüler bzw. Partner zurückgreifen.

Laut Andreas Schleicher diente dieses Testverfahren dazu, die soziale Kompetenz der 15-Jährigen zu testen. Die für diesen Bereich generierten Daten werden als Teilstudie allerdings erst 2017 veröffentlicht. Keine Rückschlüsse lässt PISA auf Unterschiede zwischen den Bundesländern zu, da die Daten nicht regionalisiert erhoben und ausgewertet werden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen