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Mehr Lohn, mehr Urlaub oder weniger Arbeit?

Bahn und EVG einigen sich auf individuell anpassbares Tarifpaket für rund 150 000 Beschäftigte

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Am späten Montagabend war die Kuh vom Eis. Der Vorstand der Deutschen Bahn (DB) und die DGB-Bahngewerkschaft EVG einigten sich auf ein Tarifpaket, das für rund 150 000 Beschäftigte im bundeseigenen Konzern gelten soll. Damit sind die von der EVG für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen ausgesprochenen vorweihnachtlichen Warnstreikdrohungen vom Tisch.

Zu den Kernpunkten des Pakets zählt eine Lohnerhöhung um 2,5 Prozent ab dem 1. April 2017. Für den Zeitraum vom 1. Oktober 2016 bis zum 31. März 2017 erhalten Beschäftigte einen Festbetrag von 550 Euro, Auszubildende und Dual-Studierende 250 Euro. Für das Paket wurde eine Laufzeit von 24 Monaten bis zum 30. September 2018 vereinbart.

Ab Januar 2018 können DB-Beschäftigte zwischen 2,62 Prozent Einkommenserhöhung, einer Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit um eine Stunde und sechs Tagen zusätzlichem Jahres-Erholungsurlaub wählen. Eine solche Wahlmöglichkeit dürfte ein Novum in der jüngeren Tarifgeschichte darstellen. Die EVG-Gremien hatten in den vergangenen Monaten die Basis befragt und auf der Grundlage von rund 15 000 Rückmeldungen erkannt, dass hier je nach Einsatzbereich, Arbeitsbedingungen, Lebensalter und persönlichen Umständen unterschiedliche Ansprüche und Wünsche bestehen, denen sie Rechnung tragen wollte.

Weitere Punkte im Tarifpaket sind DB-einheitliche gestaffelte Leistungsentgelte für den Rufbereitschaftseinsatz etwa bei kurzfristig auftretenden Störungen im Betriebsablauf außerhalb der regulären Arbeitszeit. Nachwuchskräfte, also Auszubildende und Dual-Studierende, können einen gestaffelten Mietkostenzuschuss bis maximal 350 Euro monatlich beanspruchen, wenn sie etwa zur Aufnahme einer Ausbildung umziehen müssen. Weitere Vereinbarungen betreffen Betriebsrentenzuschüsse, Langzeitkonten für Überstunden, Zeitzuschläge und Schichtzusatzurlaub für Nachtarbeit sowie Gesundheitswochen als Angebot zur Gesundheitsförderung und -sensibilisierung im Alltag. Ein weiterer Tarifvertrag zur »Arbeit 4.0« soll vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt Management, Gewerkschaft und Betriebsräten frühzeitige Möglichkeiten zur Gestaltung des Arbeitsalltags in die Hand geben. DB-Beschäftigte sollen damit nach EVG-Angaben ihren Arbeitsort selbst wählen können, wenn ihre Tätigkeit mobiles Arbeiten zulässt. Bei der Veränderung von Berufsbildern und Tätigkeiten durch Digitalisierung soll künftig ein Anspruch auf Qualifizierungsmaßnahmen bestehen.

Die Verhandlungen hatten sich in den letzten Wochen in die Länge gezogen und waren mehrfach von EVG-Kundgebungen an den Verhandlungsorten begleitet. Nach Insiderangaben stand alles mehrmals »auf der Kippe«. Schließlich kam Bewegung in die Verhandlungen, als die Unterhändler des DB-Konzerns wesentliche Punkte ihres Angebots noch einmal deutlich aufstockten. Der endgültige Durchbruch erfolgte dann in einem letzten 30-stündigen Verhandlungsmarathon ab Sonntagnachmittag. Offenbar wollte das DB-Management in der vorweihnachtlichen Reisezeit keine EVG-Warnstreiks riskieren.

Mit diesem Abschluss ist die laufende DB-Tarifrunde aber noch nicht abgeschlossen. Am Freitag kommen Vertreterder DB und der Lokführergewerkschaft GDL zu einer separaten Verhandlungsrunde zusammen. Die GDL fordert vier Prozent Lohnerhöhung und mehr planbare Freizeit durch bessere tariflich verankerte Schichtpläne und Ruhezeiten. Die Gewerkschaft beklagt bisher einen Stillstand bei den Verhandlungen. Warnstreiks sind hier bis Mitte Januar unwahrscheinlich, weil nach der aktuellen Schlichtungsvereinbarung zwischen GDL und DB bei einem Scheitern der Verhandlungen die DB sofort die Schlichtung beantragen könnte und für die Verhandlungen dann mehrere Wochen Zeit vorgesehen wären.

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