Der Kakao kommt zurück an den Vulkan

Mit nachhaltigen Anbaumethoden entdecken die Menschen in El Salvador ein altes Kulturgut neu

  • Von Michael Krämer, INKOTA
  • Lesedauer: 6 Min.

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Miguel Ulloa hat die Kakaobäume mitten in sein Kaffeefeld gepflanzt.
Miguel Ulloa hat die Kakaobäume mitten in sein Kaffeefeld gepflanzt.

Archäologische Funde belegen: Schon vor fast 4000 Jahren kannten und konsumierten die Menschen in Mittelamerika Kakao. Später diente die begehrte Bohne sogar als Zahlungsmittel. Während der spanischen Herrschaft entwickelte sich Kakao zu einer wichtigen Kolonialware, zuerst als Luxusgetränk für den europäischen Adel und den Klerus, ab dem 19. Jahrhundert auch als Massenprodukt für das aufkommende Bürgertum. Doch während die Anbauflächen in vielen Ländern und Regionen der Welt wuchsen, passierte in El Salvador in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts genau das Gegenteil: Das Land verwandelte sich in eine »Kaffeerepublik«, der Kakao verlor immer mehr an Bedeutung.

So war es auch an den hoch gelegenen Ausläufern des Vulkans von San Miguel, den die Indigenen der Region Chaparrastique nannten. Kaffeeplantagen setzten sich durch, für lange Zeit waren hier nur noch vereinzelt Kakaobäume zu finden. Erst seit wenigen Jahren ändert sich dieser Trend wieder; der Kakao kehrt an den Vulkan zurück. Dafür gibt es mehrere Gründe: Vor vier Jahren hat der Kaffeerost, eine gefährliche Pilzerkrankung, große Teile der salvadorianischen Kaffeepflanzungen befallen und zerstört. Und nach vielen Jahren der Talfahrt lässt die steigende Nachfrage, unter anderem aus China, seit einiger Zeit die Preise für Kakao auf dem Weltmarkt wieder ansteigen. In El Salvador möchten viele deshalb den Kaffeeanbau durch Kakao ersetzen.

Auch Miguel Ulloa hat dieses Jahr zum ersten Mal Kakaobäume angepflanzt. Er warnt aber davor, Kakao nun in großen Plantagen anzubauen. »Kakao«, so erklärt der Vorsitzende des Gemeindeentwicklungskomitees von Chambala, »kann ein guter Beitrag sein, um den Menschen ein kleines Einkommen zu verschaffen. Es wäre aber ein Fehler, sich nun auf Kakao allein zu verlassen. Kakao macht nicht satt.« Das Wichtigste sei die Ernährungssicherheit für die Menschen hier aus der Region, so Ulloa. Dazu gehört der Anbau der Grundnahrungsmittel Mais und Bohnen, aber auch von Gemüse und Obst.

Während des zwölfjährigen Bürgerkriegs in El Salvador zwischen 1980 und 1992 hat Ulloa am Vulkan von San Miguel noch Menschen in Kooperativen organisiert, die als Tagelöhner auf den Kaffeeplantagen arbeiteten und in großem Elend lebten. Der Krieg endete ohne klaren Sieger und die Menschen hier sind noch immer arm. Es hat sich aber doch einiges für sie verbessert.

Dafür hat auch Miguel Ulloa gearbeitet, der selbst einige Zeit für die Befreiungsbewegung FMLN Mitglied im Kreisrat von Chinameca war. Dort hat er sich dafür eingesetzt, dass Chambala mit Trinkwasser versorgt wird und Stromleitungen bis ins Dorf verlegt werden. Gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedern der Gemeinde, die sich bei der Kreisverwaltung für ihre Anliegen einsetzten, hat Ulloa dieses Ziel erreicht. Die Menschen zu organisieren, um konkrete Veränderungen zu erreichen, ist seine Devise. Er hat schon einige Projekte nach Chambala gebracht. Doch möchte er längst nicht jedes Projekt in seinem Dorf haben. »Man muss aufpassen. Wenn nur Hilfe verteilt wird, werden die Leute schnell passiv. Das ist gefährlich, dann wollen sie selbst nichts mehr machen.«

Diese Haltung passt zur Philosophie von Oikos, dem Projektpartner von INKOTA vor Ort. Oikos ist schon seit vielen Jahren in Chambala aktiv und pflegt eine langjährige Zusammenarbeit mit Miguel Ulloa. Sein Wort hat Gewicht in Chambala. Hier ist er geboren und hier leben auch seine Kinder und Enkelkinder. Niemand weiß so gut wie er, was in der Gemeinde passiert und wo die Probleme liegen. Und wo die Chancen, um etwas zum Besseren zu verändern.

Dies gilt auch für den Kakao, längst nicht die einzige Projektkomponente in Chambala, aber eine, in welche die Einwohnerinnen und Einwohner große Hoffnung setzen. Dieses Jahr war die Mais- und Bohnenernte ertragreich, weil es genug, aber auch nicht zu viel geregnet hat. Anders als in den zwei vorangegangenen Jahren, in denen mitten in der Regenzeit über mehrere Wochen hinweg die Niederschläge ausblieben, was große Ernteverluste zur Folge hatte.

Inzwischen vergeht kaum noch ein Jahr mit »normalen« Niederschlagsmengen. Dies ist auch eine Folge des Klimawandels, der in El Salvador längst begonnen hat. Auch deswegen setzen die Menschen hier auf den Anbau von Kakao. Wenn der Mais und die Bohnen auf den Feldern verdorren, weil der Regen ausbleibt, muss dies nicht bedeuten, dass auch der Kakao nicht mehr gedeiht. Die Bohnen reifen das ganze Jahr und können jederzeit geerntet werden. Durch den Verkauf der Kakaobohnen können die Bauern dann Nahrungsmittel oder neues Saatgut erwerben.

In diesem Sommer haben die ersten 17 Landwirte aus Chambala Kakaopflanzen bekommen. Weil es im Sommer genug geregnet hat, sind die Pflanzen gut angewachsen und gedeihen. Noch sind sie klein, die erste Ernte ist erst nach drei oder vier Jahren möglich. Der Kakaoanbau hat noch einen weiteren Vorteil, der für die Gemeinden am Vulkan von großer Bedeutung ist: Die Bäume brauchen Schatten, weshalb sie in sogenannten Agroforstsystemen angebaut werden. Also dort, wo andere Bäume stehen, die genauso gepflegt werden. Manche Projektbeteiligte haben noch zusätzliche Bäume gepflanzt. Die Aufforstung leistet auch einen Beitrag zur Verbesserung der ökologischen Situation am Vulkan.

Da hier so gut wie alle Flächen in Hanglage sind, fließt das Wasser bei Regen schnell ab. Es reißt wertvollen Ackerboden mit und kann bei sehr starkem Regen hangabwärts schwere Zerstörungen anrichten. Da hilft jeder zusätzliche Baum, der dem Boden Halt gibt und die Kraft der Sturzbäche mindert.

Miguel Ulloa hat selbst ebenfalls Kakao angepflanzt. Wie einige andere im Dorf hat auch er eine kleine Kaffeepflanzung. Die Kakaobäumchen hat er mitten zwischen die Kaffeesträucher gepflanzt. Dadurch haben sie nun genug Schatten und sind vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt. Zufrieden blickt er auf den Wald aus Kaffee, Kakao und anderen einheimischen Baumarten. Einige der Kaffeesträucher wird er wegnehmen, wenn der Kakao größer wird und mehr Platz benötigt.

Ein neuer Entwicklungsschritt für Chambala ist getan. Mit einer Pflanze, die bekanntermaßen gut wächst in der Region. Nicht aber in Monokultur, wie es sich einige größere Kakao- und Schokoladeunternehmen wünschen, die El Salvador als Anbauland entdeckt haben, sondern nur in einem Agroforstsystem.

Mit der Kampagne »Make Chocolate Fair!« setzt sich INKOTA seit mehreren Jahren für die Interessen der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen ein, die Kakao oftmals unter unmenschlichen Bedingungen anbauen müssen. »Wir sind begeistert, dass unsere Projektpartner in El Salvador mit einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Alternative im Kakaoanbau neue Wege gehen«, freut sich Evelyn Bahn, Koordinatorin der Kampagne.

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