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Die Armut der anderen

Fabian Lambeck über die Versuchung, kritische Berichte zu schönen

Im aktuellen Entwurf zum Armuts- und Reichtumsbericht fehlen ein paar kritische Passagen. Das wurde nun bekannt. Für die Verantwortlichen ist es einfacher, unangenehme Fakten zu ignorieren und Berichte, in denen diese behandelt werden, dementsprechend zu frisieren. Dumm nur, wenn die Presse davon Wind bekommt und die Sache auffliegt. Dass ausgerechnet Passagen, die sich mit dem Einfluss von Reichen und Eliten auf die Politik befassen, den Zensoren zum Opfer fielen, wird jene in ihrer Weltsicht bestätigen, die meinen, dass der gesamte Politikbetrieb korrupt ist und seine Protagonisten nur Marionetten sind von Superreichen und Konzernen. Dabei muss man gar nicht so hoch schauen. Dass Besserverdienende eine höhere Durchsetzungsmacht besitzen als Habenichtse, zeigt schon der Umstand, dass der Politikbetrieb einen Großteil seines Personals aus gutbürgerlichen Kreisen rekrutiert. Hier machen also Leute Politik, die Armut und ihre Folgen nur aus der Literatur oder dem Fernsehen kennen. Dementsprechend sieht die Armutsbekämpfung dann auch aus. Hier werden keine Ursachen bekämpft, sondern nur Symptome behandelt. Das alles müsste nachzulesen sein in einem Armuts- und Reichtumsbericht, der diesen Namen auch verdient. Stattdessen aber wird zensiert. Armut ist eben die Armut der anderen.

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