Werbung

Gotti und die Welt

Ein Geheimtipp sind die Lesebühnen schon lange nicht mehr. In den vergangenen zwanzig Jahren haben sie sich über die Stadt verteilt wie Nissen über die Kopfhaut eines Kindergartenkindes. Inzwischen krabbelt es überall. Selbst wer das Radio anschaltet, ist nicht davor gefeit, dass ihm irgendeine Schnodderschnauze ihre lustigen Geschichten vorliest. Insbesondere der RBB-Sender »Radio eins« hievt einen Witzbold nach dem anderen ins Programm. Ahne zum Beispiel, ein Urgestein der Szene, gab dort lange seine »Zwiegespräche mit Gott« zum Besten.

Was »Radio eins« seit Mai 2016 jeden Freitag von 17 bis 19 Uhr unter dem Titel »Radio zwei« über den Äther schickt, hätte auch »Zwiegespräche mit Gotti« heißen können. Berlinern nämlich kann Martin »Gotti« Gottschild, der sich da gemeinsam mit Thomas Wosch durch sein persönliches Wochengeschehen witzelt, genauso schön wie Ahne. Dass der 40-Jährige mit dem ironischen Schnurrbart den Besten der Szene auch in Skurrilität und Zotenzielsicherheit nicht nachsteht, beweist er als Hälfte des Duos »Tiere streicheln Menschen« an der Seite des Gitarrenliedsängers Sven van Thom. Auch in seinem neuestem Kurzgeschichtenbuch »Im Würgegriff des Wanderfalken« (LOOB-Verlag, 196 S., br., 15 €) wimmelt es nur so von Pointen (und orthografischem Eigenwillen). Gottis Meisterschaft aber - im Buch und auf der Bühne - offenbart sich am komischsten in seiner Spezialdisziplin, dem Untertiteln wildfremder Diabilder, die er auf Flohmärkten aufgetrieben hat.

Sehen Sie sich jetzt bitte einmal genau das nebenstehende Foto an, bevor Sie weiterlesen. ------ Und hier Gottis Bildunterschrift: »Märtyrer Abdullah Schulze war mehr als enttäuscht. Von den versprochenen 72 waren nur drei zur Begrüßung erschienen, und dass die nun wirklich noch Jungfrauen waren, stimmte ihn jetzt irgendwie auch nicht fröhlicher.« mha Foto: KongKing.de

»Tiere streicheln Menschen - Die Weihnachtsshow« mit Martin »Gotti« Gottschild und Sven van Thom. So., 18.12., und Do., 22.12., jeweils 20 Uhr, im Prater, Kastanienallee 7-9, Prenzlauer Berg

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln