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»Das ist doch eine Frau, oder?«

»Fenster 21« zeigt Fotoprojekt »Dragkings« von Mareike Günsche

  • Von Jens Steiner
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
»Das ist doch eine Frau, oder?« An derartig skeptische Fragen von Menschen mit verwirrten Blicken und gerunzelter Stirn hat sich die Fotografin Mareike Günsche längst gewöhnt. Solche Reaktionen auf ihre Bilder sind ihr nicht lästig, sie sind beabsichtigt. Die von ihr abgelichteten Charaktere nennen sich Johnny, Ocean, Leon, Brian, Alex und Steve. Sie bezeichnen sich selbst als »Dragkings« und spielen bewusst mit gängigen Klischees und Geschlechterrollen. Machohaft posieren sie auf Günsches Fotos, mal elegant in Anzug und Krawatte, mal leger in T-Shirt, Jeans und Basecap, am besten noch mit Bierpulle in der Hand und gummiertem Frottee-Armband ums Handgelenk. Über zwei Jahre fuhr Mareike Günsche durch Deutschland und machte sich auf die Suche nach jenen Menschen, die zwar als Frauen zur Welt kamen, aber einen großen Teil ihres Lebens in Männergestalt verbringen. »Dragkings sind meist biologische Frauen, die Männlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes verkörpern«, sagt die Fotografin. Mit ihrem Langzeit-Fotoprojekt über »Dragkings« begab sich die Fotografin in eine bislang wenig ausgeleuchtete gesellschaftliche Grauzone. Während Dragqueens, Männer in Frauengestalt, längst zum Mainstream geworden seien, führten Dragkings noch immer ein Schattendasein. »Über diese Menschen ist nicht viel bekannt«, sagt Günsche. Günsches erste Dragking-Porträts lösten einen regelrechten Dominoeffekt aus. Innerhalb der King-Szene sei sie oft weiterempfohlen worden. »Dem Akt des Fotografierens gingen meist intensive Gespräche voraus, in denen ich die Menschen kennen lernen wollte«, beschreibt Günsche ihre Vorgehensweise. Persönliche Nähe, Offenheit und Vertrauen sei ihr besonders wichtig gewesen, da sie die Fotografierten nicht als Kunstfiguren oder Exoten darstellen wollte, sondern als Menschen, denen man täglich begegnet. Knapp dreißig »Kings« hat Mareike Günsche bisher porträtiert. Die King-Szene in Deutschland sei aber wesentlich größer. Genaue Zahlen könne sie jedoch nicht nennen, da die Szene zu vielfältig sei, um sie überschauen zu können. »Manche leben jeden Tag als Mann, andere schlüpfen nur einmal im Jahr für eine Bühnenshow in die Männerrolle.« Grelle Fotos von Dragkings während ihrer Bühnenshows sind nichts Neues, doch die Arbeiten von Günsche funktionieren anders. Das Wesen ihrer Porträtierten wird nicht so offensichtlich, die Uneindeutigkeit des Dargestellten erzeugt Spannung. Auf den farbigen Mittelformatbildern sieht man die »Kings« in ihrem privaten Umfeld. Die Bilder wirken zuerst ruhig und vertraut. Um so größer ist der Moment der Irritation, wenn der Betrachter bemerkt, dass die Menschen auf den Bildern nicht so recht in das eigene Weltbild passen. Mareike Günsche fühlt sich der dokumentarischen Fotografie verpflichtet. Ihre Bilder sollen...

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