»Du reichst den Bösen eine helfende Hand«

»Das östliche Firmament« - Musik aus »Chor Shul« auf einer DVD

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es war einmal eine Mutter in Karl-Marx-Stadt, die schaltete jeden Samstag um acht in ihrer Küche den Berliner Rundfunk ein. Beim Zuhören räumte sie den Frühstückstisch ab, wusch das Geschirr - sie konnte nicht untätig sein, aber die Kinder lauschten still. Es war eine Musik so wunderbar, etwas sonst nie Gehörtes. Der Raum schien sich zu weiten, und die Mutter, die da fast insgeheim (ohne, dass der Vater davon wusste) den Kindern dieses Erlebnis verschaffte, die Mutter bekam etwas Geheimnisvolles.

Vielleicht hat Oberkantor Estrongo Nachama in der Sendung »Musik zur Sabbatfeier« damals auch »Adonai, Adonai« von Abraham Moshe Bernstein gesungen - jenen Gesang über die 13 Eigenschaften von Gottes Gnade, der auf dieser DVD vom Moskauer Jüdischen Männerchor dargeboten wird, wahrscheinlich auch »Adon Olam«, wovon es mehrere Vertonungen gibt.

Estrongo Nachama ist im Januar 2000 in Berlin gestorben; aber die Musik auf dieser DVD gilt ohnehin vornehmlich dem gemeinschaftlichen Gesang. Sieben Chöre sind zu erleben - aus London und Tel Aviv, aus Moskau, Berlin und Jerusalem. Im Begleitheft ist zu erfahren, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in osteuropäischen Synagogen ein eigener Musikstil entstand, »der die Chormusik westlicher Prägung mit östlicher Koloratur und dem emotionalen Gesang des Kantors verband«. In die »Chor Shul«, wie dort viele Synagogen genannt wurden, seien die Menschen geströmt, weil sie, eingebettet in den Ernst der Gottesdienste, auch Unterhaltsames erwarteten. Hebräisch wird beim Konzert gesungen auch Jiddisch. Selbst Russisch vermeine ich zu vernehmen, Ukrainisch könnte auch dabei sein. Komponisten wie Abraham Dunajewski, Eliezer Gerowitsch, David Nowakowski stammten doch aus dem russisch-ukrainischen Raum. Louis Lewandowski, der dem alljährlich stattfindenden Festival den Namen gibt, kam aus Poznan nach Berlin, und er erlaubte die Aufführung seiner Musik auch in christlichen Kirchen.

»Das östliche Firmament« - damit lockte das Festival 2015. Vom 15. Bis 18. Dezember 2016 stand die jüdischen Renaissance im Mittelpunkt. Und man darf erwarten, dass es dazu auch eine DVD geben wird. Ich kann nur staunen und rühmen. In Demut, weil diese Welt eine fremde bleiben muss. Am Ende mancher Gesänge ist ein »Halleluja« zu hören. »Du reichst den Bösen eine helfende Hand«, heißt es in »Ata Noten Yad« von Pinchas Minkowski, der in der Ukraine Kantor war und nach der Oktoberrevolution in die USA gegangen ist. Da denke ich an die Vernichtung der ukrainischen Juden - und an die Arie des Sarastro aus Mozarts »Zauberflöte«. Ich denke an den Begriff »Tikun Olam« aus dem frühen Judentum und der Kabbala: die Welt heilen in einem umfassenden Sinne. Hat nicht auch das Christentum in solcher Hoffnung seinen Ursprung?

Ich will etwas verbinden, obwohl ich weiß, was für ein Abgrund da zu überbrücken wäre. »So schön singen die Juden bei ihrem Gottesdienst«, sagte meine Mutter. Und ich war damals noch nie bei irgendeinem Gottesdienst gewesen.

Das östliche Firmament. Louis Lewandowski Festival 2015. Musik der osteuropäischen Chor Shul. Verlag Hentrich & Hentrich. 1 DVD, 19,50 €.

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