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Auf vielen Brücken über die Grenze

Deutsche und Polen planen die mittlerweile 25. Radtour der guten Nachbarschaft

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Seit 1993 gibt es jedes Jahr eine solche Radtour - organisiert durch eine Arbeitsgemeinschaft der Gesellschaft für gute Nachbarschaft zu Polen. Insgesamt 1500 Teilnehmer haben seitdem zusammengerechnet 22 000 Kilometer im Sattel zurückgelegt.

Zum 25. Jubiläum der Etappentouren wollen Deutsche und Polen vom 17. bis 25. Juni 2017 die gesamte Grenze von Zgorzelec im Süden bis Świnoujście im Norden entlangfahren und dabei auch durch Brandenburg kommen. Knapp 500 Kilometer ist die Strecke bis zur Insel Usedom lang. Dabei soll an den Grenzflüssen Oder und Neiße immer wieder die Seite gewechselt werden, so dass es jeweils ein Stück durch Deutschland und ein Stück durch Polen geht. Die Idee ist nicht neu. Einen etwas kürzeren Abschnitt von Szczecin nach Görlitz absolvierten die Teilnehmer bereits im Jahr 2000 auf diese Weise. Diesmal haben sie sich jedoch die komplette Oder-Neiße-Friedensgrenze vorgenommen.

470 Euro pro Person sind zu entrichten, zuzüglich der Kosten für einen Prolog am 16. Juni. Zu diesem Prolog gehören ein Empfang im Görlitzer Rathaus, ein Stadtrundgang, die Besichtigung einer Brauerei plus Abendessen und die Übernachtung in einer Jugendherberge. »Das Anliegen der Touren besteht in der Begegnung zwischen den Menschen und dem Kennenlernen kultureller Sehenswürdigkeiten, im Erleben der Natur, in der Erholung und der Freude an körperlicher Betätigung«, heißt es in einer Ankündigung.

In der Vergangenheit entstanden Freundschaften und Deutsche haben ein paar Brocken Polnisch gelernt. Guten Appetit zum Beispiel heißt Smacznego, Schinken heißt szynka und kiełbasa ist eine Wurst. Im Tourheft für 2016 stand aber auch folgender Satz in einer Vokabelspalte: »Jestem wegetarianką.« (Ich bin Vegetarierin.) Das war ein praktischer Hinweis, hatte aber auch Pfiff. Schließlich hatte der rechtskonservative Außenminister Witold Waszczykowski umstrittene Personalentscheidungen beim staatlichen Fernsehen damit gerechtfertigt, dass die Journalisten angeblich ein falsches Bild von der Heimat zeichneten und die Polen als ein Volk von Radfahrern und Vegetariern hinstellten. Radtour-Organisator Mirko Buggel aus Cottbus stellt allerdings klar: »Der Wunsch nach vegetarischem Essen ist auch in Polen nichts Ungewöhnliches mehr.«

Radsportlegende Täve Schur ist bereits bei der ersten Tour der guten Nachbarschaft dabei gewesen. Zum Tourstart 2016 erschien Täves Sohn Jan Schur auf einem Rennrad mit jungen Sportlern, die er trainiert. Jan Schur hatte 1988 bei den Sommerspielen in Seoul Gold gewonnen.

gutenachbarn.de

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