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Reform & Revolution

Sieben Tage, sieben Nächte über revolutionäre Effekthascherei und reformatorische Widersprüchlichkeit

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

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Kennen Sie schon die allerneuesten Revolutionen? Einer kurzen, ganz gewiss nicht repräsentativen Netzrecherche mit dem Stichwort Revolution zufolge sind es folgende: der Trend zur Achtsamkeit; eine selbstklebende Handyhülle; ein in Chemnitz entwickeltes Textilproduktionsverfahren namens »Corizon«; die Tatsache, dass erstmals eine Frau die Vatikanischen Museen leitet; Sex mit Robotern; ungefährliche Bengalfeuer für Fußballspiele; der Ausbau des öffentlichen Bedürfnisanstaltwesens in China; die ab 2017 geltenden Veränderungen im Pflegesystem. Alles angeblich irgendwie revolutionär.

Da haben wir die Begriffsverwirrung schon: Denn bei letzterem Beispiel handelt es sich um eine Pflegereform. Die als revolutionär bezeichnet wird. Ja was denn nun? Womöglich steckt hinter solch hochtrabenden Etikettierungen neben einer gewissen Portion Effekthascherei auch das Bemühen, die trübseligen Dinge in einem strahlenderen Licht erscheinen zu lassen. Oder überhaupt in einem Licht. Pflegereform - da winkt man doch nur noch ab und bekommt stumpfe Zähne. Der Begriff der Reform ist ja längst zuschanden geritten. Revolution dagegen - oha, das verheißt doch immerhin einen kleinen Umsturz, bei dem wenigstens ein klitzekleiner alter Zopf abgeschnitten werden könnte.

Zwei historische Daten - der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution im nächsten Jahr und der Beginn der maßgeblich von Martin Luther ausgehenden Reformation vor 500 Jahren - waren uns Anlass, über dieses Begriffspaar nachzudenken. In ihm steckt viel von der Widersprüchlichkeit dieser Welt und von den Schwierigkeiten, sie zum Besseren zu verändern. Reformation/Reform und Revolution (oder wer es personalisiert mag: Luther und Lenin) - das sind zwei Spuren, in denen sich gesellschaftliche Entwicklung im Großen wie im Kleinen vollzieht. Manchmal laufen sie weit auseinander, manchmal kreuzen sie sich. Brecht hat etwas ganz Ähnliches beschrieben, als er von den Mühen der Gebirge und der Ebene sprach.

Für dieses letzte wochen-nd des Jahres haben Redakteurinnen und Redakteure persönliche Gedanken zum Begriffspaar Reform/Revolution notiert. Den spanischen Grafiker Raúl Soria, der in Berlin lebt, haben wir um Illustrationen dazu gebeten - sie geben dieser Beilage ein unverwechselbares Gesicht.

Nicht zuletzt geht es auf den folgenden Seiten um das Verhältnis der Linken zu Reform und Revolution. Ein einschneidendes Wahljahr steht an, und es wird so konkret wie noch nie über eine rot-rot-grüne Machtperspektive im Bund diskutiert. Das hätte schon etwas von zumindest symbolischer Revolution; danach aber, falls es dazu kommt, wartet - so viel ist sicher - das Unterholz der Reformen.

Eine anregende Lektüre und einen guten Start ins neue Jahr wünscht Wolfgang Hübner

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