Überfrau in der Provinz

Kerstin Decker schrieb ein faszinierendes Buch über die Schwester von Nietzsche

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Die Gedenkhalle ist zu klein für den Gott.« Das ist schon mal ein berückender Satz. Mussolini schenkt 1943 dem Nietzsche-Archiv Weimar ein Marmorhaupt von Dionysos. »Er passt nicht durch die Apsis.« Das Monumentale - und welche Komik, wenn es sich durch die Welt bewegt. Das Monströse - und die Enge des menschlichen Fassungsvermögens. Der machtgesteuerte Erhabenheitsrausch - und die zu niedrige Decke für den kulturkitschigen Höhenrausch.

Rasch ist klar, was umgeht in diesem Buch: Sprachenergie und Existenzintensität, Gedankenwirbel und Nervenbizarrie. Es ist ein Buch aus steigen und steigen könnenden Sätzen. Kerstin Decker kann nichts mitteilen, ohne es durch Ausdruck ins weit mehr als Mittteilende zu heben. So wird Biografie zum Roman. So wird Historie zum dramatischen Text. So werden Recherchefelder zur Bühne. Der Gedanke benimmt sich nicht wie ein Betonklotz, wie ein Essay, der sich als Besserwisser in eine Biographie bohrt und ...


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