Von Dieter Hanisch, Kiel
11.01.2017

Schnelle musikalische Eingreiftruppe gegen Rechts

Vor zehn Jahren waren Heinz Ratz und Konstantin Wecker auf Antifa-Tour, jetzt soll ihr »Büro für Offensivkultur« Antifaschisten unterstützen

Immer offensiv: Konstatin Wecker...
Immer offensiv: Konstatin Wecker (l.) und Heinz Ratz

Eigentlich hätte Heinz Ratz allen Grund, derzeit die Bewerbung des neuen Albums »Herzwäsche« seiner Band »Strom & Wasser« in den Fokus zu rücken. Doch der links-alternative Liedermacher empfindet die aktuelle gesellschaftliche Lage als derart fragil und explosiv, dass er es momentan als ebenso wichtige Aufgabe ansieht, den Bekanntheitsgrad eines zusammen mit Konstantin Wecker gegründeten Projekts zu erhöhen – das »Büro für Offensivkultur« (BOK).

Was es damit auf sich hat, das will der Kieler Ratz am 14. Januar bei der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin vorstellen. Ratz und Wecker sind sich einig, dass sich engagierte Künstler wieder stärker in gesellschaftliche Diskussionen und Prozesse einmischen und dabei auch eine »klare Kante« gegen rechte Strömungen und Stimmungen zeigen müssen. Brennende Flüchtlingsheime, Fremdenfeindlichkeit, ein zunehmend nationalistisches und rassistisches Klima, Hassparolen, wohin man hört und schaut – all das erfordert nach Auffassung des Nord-Süd-Duos Ratz und Wecker eine laute und entschlossene Gegenreaktion: Haltung statt Passivität, Gleichgültigkeit und Schweigen. Und als einen gewichtigen Beitrag verstehen beide das BOK.

Der Grundgedanke: Wo es dringend eines künstlerischen Ausrufezeichens bedarf, um rechten Umtrieben Einhalt zu gebieten, dort können Aktivisten vor Ort sich mit dem BOK in Verbindung setzen und die sich als kulturelle Eingreiftruppe verstehende Initiative mobilisieren. Das BOK will will dann im Idealfall möglichst schnell eine öffentlichkeitswirksame antifaschistische Antwort auf die Beine stellen. Helfen soll dabei ein Netzwerk von Künstlern, Journalisten, Bühnen- und Tontechnikern, potenziellen Veranstaltern aber auch von Anwälten, die sich mit ihrem Erfahrungsschatz einbringen und alle rechtlichen Optionen ausnutzen.

»Wenn ich mit meinem Namen etwas bewirken kann, meine Kontakte helfen und Türen öffnen, dann tue ich das gerne und weiß, dass unsere Initiative fruchtet«, sagt Wecker. Er ist überzeugt von der BOK-Idee, die Ratz erstmals im September beim Reeperbahn-Festival in Hamburg einer breiteren Öffentlichkeit präsentierte. Das Projekt befindet sich gerade in einer Phase, in der die Vernetzung möglichst engmaschig werden soll. Dann sind da aber noch die Finanzen: Die Initiative sucht noch nach einer soliden finanziellen Ausstattung, um künftig auch professionell agieren zu können. Ein Werbefeldzug in Sachen BOK ist somit auch jeweils ein Spendenaufruf.

Wecker und Ratz haben bereits vor zehn Jahren gemeinsam auf ihrer Antifa-Tour bundesweit viele Bühnen bestiegen, um dem braunen Geist etwas entgegen zu setzen. Bessere, authentischere und glaubwürdigere BOK-Botschafter und -Initiatoren kann man sich nur schwer vorstellen.

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