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Wer schlägt sich gerade mit wem?

Anti-IS-Einsatz in der Türkei wird unübersichtlich

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Der türkische Luftwaffenstützpunkt Incirlik, von dem aus Tornado-Aufklärungs- und ein Tankflugzeug im Rahmen der US-geführten internationalen Allianz »Operation Inherent Resolve« operieren, ist immer eine Negativschlagzeile wert. Ursprünglich hatte Frankreich nach den 2015er November-Anschlägen in Paris um Unterstützung gegen den Islamischen Staat (IS) in dessen Kerngebiet - Irak und Syrien - gebeten. Am 4. Dezember 2015 erteilte der Bundestag das entsprechende Mandat. Das aktuelle vom 10. November 2016 beinhaltet die Ausweitung des Einsatzes um AWACS-Flugzeuge der NATO.

Nachdem das deutsche Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr einen Ausbau der Incirlik-Bundeswehrbasis im Wert von rund 60 Millionen Euro beschlossen hatte, stoppte man fast alles wieder und plante den kompletten Umzug nach Jordanien oder Zypern. Der Grund? Die türkische Regierung hatte - verärgert über die Armenien-Resolution des Bundestages - Abgeordneten den Besuch bei den deutschen Soldaten verwehrt.

In der vergangenen Woche nun drohte die türkische Regierung ihrerseits, die Basis für ausländische Anti-IS-Streitkräfte zu schließen. Man ist, so war den Worten des Außen- wie des Verteidigungsministers zu entnehmen, verärgert über die ausbleibende US-Luftunterstützung für die türkische »Euphrates Shield« Operation. Die hatte Ankaras Armee am 24. August gestartet. Angeblich gegen den IS, doch quasi nebenbei versucht man gemeinsam mit der Freien Syrischen Armee, die in dem Gebiet gegen den IS siegreichen kurdischen YPG-Volksverteidigungseinheiten zu zerschlagen. Selbstverständlich wird der Einmarsch auf syrisches Gebiet in Damaskus, das mit Moskau verbunden ist, als Aggression betrachtet.

Jüngst erlitt Erdogans Armee bei der Stadt Al Bab herbe Verluste. Gerade hatte man die zum Sturm auf die IS-gehaltene Stadt bereitgestellten Einheiten um ein Panzerbataillon verstärkt. Das ist mit deutschen Leopard-Panzern ausgerüstet. Zehn dieser bislang als hervorragend eingestuften Kampfmaschinen wurden abgeschossen. Mit zum Teil veralterten Panzerabwehrwaffen.

Gerade weil der Verlust vor allem auf eine ungenügende Truppenführung zurückzuführen ist, traf er die türkische Regierung schwer. Man suchte Schuldige und fand sie offenbar bei den US-Kampffliegern, die bislang nicht bereit waren, die türkische Operation »Euphrates Shield« zu unterstützen. Schließlich verlassen sich die USA auf »ihre« kurdischen YPG-Bodentruppen, die im Kampf unmittelbar von US-Spezialeinheiten angeleitet werden.

Nach den türkischen Drohungen, den Stützpunkt zu schließen, rudert die US Air Force nun zurück. Schließlich ist Incirlik - laut US-Militärsprecher Colonel John Dorrian - von »unschätzbarem Wert«. Diese Verbeugung vor den dreisten türkischen NATO-Verbündeten hat aber noch einen anderen Grund. Inzwischen flog nämlich die in Syrien stationierte russische Luftwaffe Angriffe gegen IS-Stellungen bei Al Bab. Das wäre vor gut einem Jahr - nach dem Abschuss einer russischen SU-24 durch türkische Jets - undenkbar gewesen. Inmitten dieses Bündnischaos fliegen deutsche Tornados Aufklärung. Für und gegen wen eigentlich?

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