»Das BIP war ein Instrument des Krieges«

Der Ökonom Philipp Lepenies kritisiert, dass der Glaube an das Bruttoinlandsprodukt Verteilungsfragen verdrängt

  • Von Guido Speckmann
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Herr Lepenies, am Donnerstag wurde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 bekannt gegeben. Waren Sie gespannt?
Gespannt ist übertrieben. Als Ökonom interessiert mich die Zahl natürlich. Aber nicht so, dass ich ihr entgegenfiebern würde. Wichtig ist das BIP sicherlich. Zusammen mit seiner Veränderungsrate, dem Wachstum, ist es die einzige Kennziffer, die es neben der Zahl der Arbeitslosen überhaupt schafft, regelmäßig große Aufmerksamkeit in den Medien und der Politik zu bekommen. Und das trifft fast für jedes Land der Welt zu. Das muss eine Statistik erst mal schaffen.

Das überrascht. Wenn man Ihr Buch »Die Macht der einen Zahl« liest, kommt man zu dem Schluss, dass das BIP kein taugliches Instrument zur Wohlstandsmessung ist.
Das Besondere ist ja, dass das BIP als ein Indikator für den Zustand der Gesellschaft gesehen wird, obwohl es das ja eigentlich nicht misst. Das BIP erfasst nur den Wert der Produktion eines Jahres. ...

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