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Hoffnungsträger im neuen Schlitten

Der Neuling Johannes Lochner erstaunt mit Spitzenzeiten beim Bobfahren. Jetzt bereitet sich der neue Europameister auf Olympia 2018 vor

  • Von Frank Kastner, Winterberg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bislang galt dieser junge Mann als Talent im kleinen Schlitten. Johannes Lochner gewann immerhin schon zweimal WM-Silber im Zweier, doch plötzlich rast er der Weltelite im Viererbob davon. Dabei fährt der 26-jährige Berchtesgadener erst jetzt seine erste komplette Weltcupsaison. Zwar war er bereits als WM-Debütant 2015 in Winterberg sensationell auf Rang zwei gefahren war, trotzdem konnte er sich ein Jahr später nur über den Umweg Junioren-WM für die Titelkämpfe der Senioren in Innsbruck qualifizieren. Auch dort musste er dann nur dem dreimaligen Zweierweltmeister Francesco Friedrich den Vortritt lassen.

Selbst in Fachkreisen galt Lochner daher nur als Experte für den Zweier. Nun ist er aber ein Siegfahrer mit drei Anschiebern geworden. Woher resultiert der Wandel? »Ich hatte immer Riesenprobleme mit dem Vierer. Im Europacup lief es zwar ganz gut, von der Weltspitze waren wir aber zu weit weg. Dann fiel im Sommer die Entscheidung, dass wir mit dem Zweierbob der Firma Wallner fahren. Und damit wir keine Umstellungsprobleme haben, habe ich gesagt, dass wir auch auf Wallner im Vierer setzen«, sagte Lochner.

Viele reiben sich nun beim Blick auf die Ergebnisse ungläubig die Augen. Bei seinem ersten Weltcupsieg auf der anspruchsvollen Bahn in Altenberg hatte Lochner 41 Hundertstelsekunden Vorsprung auf die Konkurrenz. Beim ersten EM-Titel in Winterberg waren es nun sogar schon 0,45 Sekunden - Ewigkeiten im Eiskanal. »Ich bin von der ersten Fahrt an mit dem Schlitten super zurecht gekommen. Ich habe überhaupt keine Probleme an den Lenkseilen«, freute sich der für den BC Stuttgart fahrende Athlet. »Unglaublich, wie schnell er sich im Vierer stabilisiert hat«, sagte auch Cheftrainer René Spies.

Das Talent hat »Hansi« offensichtlich vererbt bekommen. Onkel Rudi Lochner hatte 1992 Olympiasilber aus Albertville nach Hause gebracht. Ein Jahr zuvor hatte er schon den WM-Titel in Altenberg geholt - zusammen mit Markus Zimmermann, der später Christoph Langen zu Olympiagold 2002 schob. Langen wurde später Cheftrainer und baute den Sprössling Lochner zunächst behutsam auf, bevor er ihn 2015 bei der WM in Winterberg doch ins kalte Wasser warf.

Jetzt bereitet sich der 100-Kilo-Mann auf Olympia 2018 vor. »Im Vierer habe ich mich für einen Bob entschieden«, berichtete Lochner. Wenn er im Zweier bis Pyeongchang allerdings den Anschluss nicht wiederfindet, will er auf der Olympiabahn beim Test in ein paar Wochen noch mal einen Schlitten des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) ausprobieren. »Ich gehe aber davon aus, dass ich bis Olympia Wallner fahre.«

Es wird auch eine Bauchentscheidung: »Ich fahre eine Bahn zum ersten Mal runter und es passt von Anfang an. Da ist ein gewisses Gefühl zwischen Bob, den Lenkseilen und mir. Ich habe kaum noch schlechte Fahrten«, wundert sich Lochner, aber »im Zweier fahre ich plötzlich schlechter als im Vierer«.

Das Geheimnis liegt wohl in den verschiedenen Lenksystemen. »Es ist schwierig zu erklären, wenn man nicht Bob fährt. Mit dem Auto wäre es so, als würde es bei hohen Geschwindigkeiten in der Kurve ausbrechen. Mit dem neuen Bob spüre er über die Lenkseile genau, wie sich ihn steuern muss, damit die Kufen nicht ihre Spur verlassen«, verriet der Bayer. Beim alten Bob habe er dieses Gefühl nie gehabt. Der Materialpoker des deutschen Verbands scheint sich also schon zu bewähren. dpa/nd

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