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Zu wenig Bio aus der Region

Der Ökolandbau in Berlin-Brandenburg ist dem Wachstum des Marktes nicht gewachsen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach Einschätzung der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) hält der Bio-Boom auf dem Berliner Markt ungebrochen an. Wie FÖL-Geschäftsführer Michael Wimmer am Dienstag in Berlin mitteilte, sei der Gesamtumsatz des regionalen Naturkostfachhandels inklusive der Direktvermarkter, Handwerksbetriebe und Lieferdienste 2016 auf um fünf Prozent auf mehr als 450 Millionen Euro gewachsen. Die Nachfrage insbesondere nach Biokost von regionalen Erzeugern sein ungebrochen groß.

Wachstumstreiber sind laut Wimmer die großen Biosupermärkte sowie der Bereich der Außer-Haus-Verpflegung. So hätten im vergangenen Jahr zehn Supermärkte neu eröffnet, sei ihre Zahl auf 108 gestiegen. Marktführer in der Region bleibe die Bio Company (46 Filialen), gefolgt von denn’s Biomarkt (32) sowie Alnatura (15) und LPG (8). Der Anteil der Bioläden am Umsatz liege bei einem Drittel.

»Wir erwarten, dass dieser Trend in den kommenden drei Jahren anhält«, erklärte der FÖL-Chef. Für 2017 würden bereits mindestens zehn weitere Biosupermärkte geplant. Mit einer Marktsättigung rechnet Wimmer frühestens in fünf bis sechs Jahren.

Vom Boom der Biosupermärkte ist in Brandenburg nicht viel zu sehen, mindestens 90 Prozent befinden sich in Berlin, beim Marktführer Bio Company liegt der Anteil bei 85 Prozent. »Daran wird sich vermutlich nicht so bald etwas ändern, auch wenn künftig noch das eine oder andere Mittelzentrum in Brandenburg erobert werden kann«, schätzt Wimmer.

Fehlt es für mehr Biokostläden oder -supermärkte in Brandenburg vor allem an zahlungsfähiger Nachfrage, können märkische Agrarbetriebe andererseits nicht genügend Produkte in Bioqualität erzeugen. Dabei gilt Berlin laut FÖL als Europas größter Biomarkt und böte regionalen Erzeuger- und Verarbeitungsbetrieben beste Marktchancen. Selbst bei Biomilch kann die Nachfrage derzeit nur zu 80 Prozent aus der Region bedient werden. Großen Bedarf gebe es bei Geflügel- und Schweinefleisch, Eiern, Gemüse und Stein- und Beerenobst. Die Gesamtanbaufläche für Biogemüse im Land entspreche gerade der Fläche des Tempelhofes Feldes, schätzt die FÖL. Folglich können Brandenburger Erzeuger auch mit der Konkurrenz im Wachstumsbereich Außer-Haus-Verzehr nicht mithalten. Den dort häufig geforderten Servicestandard von der Beratung über die Vorverarbeitung der Produkte bis hin zur Lieferung könne kaum ein Betrieb abdecken.

Welche Marktchancen dem Ökolandbau in Brandenburg damit entgehen, erläuterte Wimmer am Beispiel der Berliner Schulverpflegung. Nach der finanziell geförderten Umorientierung bei Ausschreibungen auf höhere Qualitätskriterien erhalten rund 88 000 Grundschüler (Klasse 1 bis 6) in der Hauptstadt seit Februar 2014 täglich Essen mit einem Bioanteil von 40 Prozent. Dieses Geschäft machen derzeit große, europaweit operierende Cateringfirmen.

Aus Sicht des Agrarministeriums in Potsdam zählt Brandenburg im Öko-Landbau bundesweit zur Spitze. Dem hält der Chef der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau entgegen, dass auf diesem Gebiet viel Potenzial weiterhin brach liege. »Im Biobereich hat derzeit faktisch jeder kleine Existenzgründer, der mit einem halben Hektar Möhren oder Rettich startet, Erfolg«, so Wimmer. Es fehle aber an Beratung und Förderung. »Wir haben es hier mit einem Defizit an Kompetenz und Beratungsdichte zu tun.« Die Landesregierung habe die Erzeuger dabei allein gelassen und wichtige Trends im Ökolandbau schlicht verschlafen. Nötig sei ein »Paradigmenwechsel« in der Landwirtschaft - »weg von der Belieferung irgendeines Weltmarktes hin zum heimischen Regionalmarkt«. Entgegen der von Brandenburgs rot-roter Koalition abgegebenen Verpflichtung, bis 2020 ein Fünftel der Agrarfläche auf Ökolandbau umzustellen, tue sich in der Realität fast nichts, blieben das Kulturlandschaftsprogramm im Rahmen des EU-Programms ELER und die Umstellungsförderung als Instrumente ungenutzt. Und noch immer sei Brandenburg Schlusslicht im Bund bei der Höhe der Umstellungsförderung und -beratung für Agrarbetriebe bei deren Übergang zum Ökolandbau.

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