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Blockaden bei Trumps Vereidigung

Vor der Inauguration kam es zu Protesten an den Eingängen zur Parade / Über 60 Demonstrationen

  • Von Moritz Ablinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Washington. »Ich steh hier schon seit eineinhalb Stunden«, klagt eine Frau mit roter »Make America Great Again«-Kappe. Sie wartet in einer Schlange, die gut siebenhundert Meter misst, vor einem Checkpoint. Wer sich die Amtsvereidigung Donald Trumps ansehen möchte, muss dort aus Sicherheitsgründen durch. Zwölf solcher Checkpoints parallel zur Route der Inauguration, die vom Weißen Haus zum Kapitol reicht, gibt es. Die Hälfte davon aber wurde von AktivistInnen zumindest vorübergehend lahmgelegt, auch bei den anderen sechs kam es zu Protesten und Teilblockaden.

Für die Protestierenden begann der Tag schon um 6:30. Da öffneten die Checkpoints ihre Tore. Schon wenig später, gegen sieben Uhr, gab es bei den ersten schon kein Durchkommen mehr. »Unsere Strategie ist auf alle Fälle aufgegangen«, sagt Lacy MacAuley im Gespräch mit »nd«. MacAuley ist Pressesprecherin des Bündnisses DisruptJ20, das die Aktionen koordiniert hat. »Wir konnten uns auf diese 12 neuralgischen Punkte konzentrieren – das hat großartig geklappt.« Die einzelnen Blockadepunkte wurden zudem von verschiedenen Gruppen organisiert. AktivistInnen von Black Lives Matter ketten sich so beispielsweise vor einem Checkpoint fest, während ein feministischen Kollektiv zwei Straßen weiter mit Sitzblockaden den Weg versperrte.

Die Folgen waren nicht nur lange Wartezeiten. Die Polizei schickte die die InaugurationsbesucherInnen oft von einem Checkpoint zum nächsten, ohne genau zu wissen, ob dieser zugänglich war. Wenn sie es denn waren, dann meistens nur in reduziertem Ausmaß, da Protestierende den Zugang erschwerten. »Es war uns klar, dass wir die Inauguration nicht verhindern können«, sagt MacAuley. »Aber das hier fühlt sich sehr gut an.«

Zu Auseinandersetzungen kam es zunächst nur am Rande. Vereinzelt lieferten sich DemonstrantInnen mit Trump-Fans Scharmützel, handgreiflich wurde es aber kaum. »So weit, so gut«, sagte der Chef der lokalen Polizei, Peter Newsham, nach zwei Stunden der Proteste gegenüber der Washington Post. »Noch hat es keine Verhaftungen gegeben.« Die Beobachter der National Lawyers Guild bestätigten diese Aussage unter Vorbehalt, sie wollten noch den restlichen Tag abwarten, bevor sie Zahlen nennen wollen.

Die Blockaden von DisruptJ20 waren dabei nicht die einzigen Proteste am Tag der Inauguration. In der ganzen Innenstadt verteilt fanden kleinere Kundgebungen statt, über 60 sollen es laut Polizei gewesen sein. Eine Kundgebung fand auch innerhalb der durch die Checkpoints abgesperrten Zone statt. »Ich will nichts Illegales machen«, sagt Robert, der mit einem Anti-Trump-Schild in der Schlange steht. »Aber ich will trotzdem zeigen, dass ich mit dem neuen Präsidenten nicht einverstanden bin.«

Das ist auch der Schwarze Block nicht. Eine autonome Spontandemo mit zirka 400 TeilnehmerInnen zog am späteren Vormittag ebenfalls durch die Innenstadt. Nach Zusammenstößen mit der Polizei wurden die Scheiben von Fillialen von Starbucks und der Bank of America eingeschmissen. Die Polizei ging mit Pfefferspray und Tränengas gegen die DemonstrantInnen vor, ein Teil diese Demozuges wurde gekesselt.

Für den Nachmittag steht zudem noch eine Großdemonstration von DisruptJ20 an. »Das ist unser Event für Menschen aller Altersgruppen«, sagt MacAuley. »Die Demo ist angemeldet, aber sie wird laut, bunt und groß.« Für MacAuley ist der Tag aber bereits ein ganzer Erfolg. »Trumps UnterstützerInnen machen nur einen kleinen Teil unserer Bevölkerung aus«, sagt sie. »Wir haben heute gezeigt, dass wir ganz verschiedene Gruppen und Menschen zusammenbringen können. Unser Widerstand hat gerade erst begonnen.«

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