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Verdrehte Geschichte

Aert van Riel über schwieriger werdende Gedenkveranstaltungen

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Der parteiübergreifende Konsens des gemeinsamen Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist gefährdet. Denn mit der AfD etabliert sich eine neue politische Kraft, in der Vertreter wie Björn Höcke die »deutschen Opfer« anstelle der Naziverbrechen in den Vordergrund stellen wollen und dabei wissentlich Ursache und Wirkung der historischen Ereignisse ausblenden oder verdrehen. Die Entscheidung des Thüringer Landesparlaments, Höcke nun von der Gedenkveranstaltung auszuschließen, ist aus guten Gründen erfolgt. Man wollte Rücksicht auf Anwesende nehmen, welche die Verfolgung durch die Nazis überlebt haben.

Als Antwort auf die rechte Partei werden Ausgrenzungen in Zukunft aber nicht ausreichen. Denn die AfD wird dadurch nicht unpopulärer. Ihre Anhänger wollen keine angepassten Politiker, sondern sie setzen auf Protest. Auch mehr Aufklärungsarbeit in den Schulen und eine Wende in der Sozialpolitik werden das Problem allein nicht lösen. Denn es liegt tiefer. Geschichtsrevisionistische Äußerungen finden seit Jahrzehnten im öffentlichen Diskurs der Bundesrepublik viel Zustimmung. Man denke etwa an den Historiker Ernst Nolte, der in den 80er Jahren behauptet hatte, dass der »Rassenmord« der Nationalsozialisten nur aus Furcht vor dem älteren »Klassenmord« der Bolschewiki entstanden sei. Anhänger solcher Thesen waren bis vor kurzem mehrheitlich in der Union eingebunden. Dass sie sich nun in der AfD versammeln, zeigt die Gefährlichkeit dieser Partei.

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