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Angeklagter ist unordentlich

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Anders als ursprünglich geplant sind am Dienstag im Betrugsprozess gegen den ehemaligen Landtagsabgeordneten Peer Jürgens (LINKE) doch noch nicht die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung dran gekommen. Das ist nun auf den 7. Fe᠆bruar verschoben.

Am Dienstag wurden noch einmal Zeugen vernommen. Der Bruder des Angeklagten erschien nicht, machte als Verwandter vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Aber es äußerte sich eine junge Frau, die vor ungefähr zehn Jahren, als bereits erwachsene Schülerin, eine kurze Affäre mit Jürgens hatte. Sie war bei der Linksjugend solid aktiv und kannte den Abgeordneten aus der Parteizentrale in der Potsdamer Alleestraße. Wenn sie ausgingen, hat sie ihn in seiner Potsdamer Wohnung abgeholt, »vielleicht« auch mal dort übernachtet. »Ich meine mich zu entsinnen, dass er einmal gesagt hat, dass er nach Erkner fährt«, sagte die Zeugin. »Ich weiß nicht, wie oft er hier war.«

Genau darum jedoch geht es in dem Prozess am Amts- und Landgericht Potsdam. Jürgens soll als Landtagsabgeordneter in den Jahren 2004 bis 2014 nicht, wie beim Parlament angegeben, in Erkner und Beeskow seinen Lebensmittelpunkt gehabt haben, sondern zunächst in Berlin und dann in Potsdam. Er kassierte 87 000 Euro Fahrtkosten und Mietzuschüsse - wenn die Vorwürfe stimmen, größtenteils unberechtigt.

Vernommen wurde am Dienstag auch eine Psychotherapeutin. Die inzwischen 34-Jährige hatte 2006 in der Berliner Studenten-WG von Jürgens gewohnt. »Er war nicht sonderlich häufig dort. Ich habe ihn nicht oft gesehen«, erklärte sie. Ihrem Gefühl nach habe er dort nicht seinen Lebensmittelpunkt gehabt. »Er war oft bei seinen Eltern.« Die haben ein Haus in Erkner. Die 34-Jährige sagte noch, Jürgens sei »unordentlich« gewesen, sein Zimmer habe schlimm ausgesehen und auch die Küche, wenn er sie mal benutzte.

Dass die Wohnung in Beeskow schmutzig war, deuteten Polizisten im Prozess so, dass Jürgens da offenbar gar nicht gelebt habe, während die Wohnung in Potsdam tipptopp gewesen sei. Aber da lebt schließlich auch seine Frau. Wie das Verfahren ausgeht, zeichnet sich nicht eindeutig ab.

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