Von Thomas Wolfer und Nicolas Reimer, Hochfilzen

Sensation in der Königsdisziplin des Biathlon

Lowell Bailey gewinnt bei der WM in Hochfilzen die erste Goldmedaille überhaupt für die USA, Erik Lesser verpasst über 20 Kilometer als Vierter das Podium

314dc7a05c2e2b58.jpg
Sensationssieger in Hochfilzen: Lowell Bailey

Erik Lesser warf sich völlig ausgepumpt in den Schnee und brauchte lange, bis er wieder bei Kräften war: Doch auch seine aufopferungsvolle Energieleistung im schweren Einzel wurde bei der WM in Hochfilzen nicht mit der erhofften Medaille belohnt. Für den ehemaligen Doppelweltmeister reichte es nach einem Schießfehler über 20 Kilometer zu Platz vier. Zu Bronze fehlten dem 28-Jährigen aus Thüringen nur 10,8 Sekunden.

»Ich habe in der letzten Runde noch mal alles gegeben. Es war nicht ganz einfach, aber ich bin trotzdem super zufrieden«, sagte Lesser, der sich nicht über das verpasste Edelmetall ärgerte: »Mein Ziel war es, nach der Verfolgung wieder ein gutes Rennen abzuliefern und wieder ein gutes Gefühl zu bekommen. Das habe ich erledigt.« In der Verfolgung war Lesser mit vier Fehlern nur 28. geworden.

Beim Sensationssieg des fehlerfreien Lowell Bailey, der das erste US-Gold im Biathlon überhaupt gewann, hatte Lesser 32 Sekunden Rückstand. Silber sicherte sich der ebenfalls fehlerfreie Tscheche Ondrej Moravec vor Martin Fourcade aus Frankreich, der trotz zwei Strafminuten Bronze gewann. Für die DSV-Biathleten war es erst das zweite von sieben WM-Rennen in Hochfilzen, bei dem es keine Medaille gab. Letzter deutscher Weltmeister im Einzel bleibt damit Sven Fischer, der 1999 in Oslo den Titel gewann.

Erik Lesser hatte 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi in der Königsdisziplin überraschend Silber gewonnen. Im Pillerseetal traf er seine ersten Schüsse, ehe er im zweiten Schießen einmal patzte und anschließend wieder alle Scheiben traf. Bei frühlingshaften Temperaturen von knapp 10 Grad und strahlendem Sonnenschein hatte er sich die Hosenbeine seines Rennanzuges abgeschnitten, um nicht noch mehr ins Schwitzen zu kommen. Viele Kollegen taten es ihm gleich.

Simon Schempp lief in seiner vollen Rennmontur, konnte Lesser aber nicht folgen, musste sich nach zwei Schießfehlern als zweitbester Deutscher mit Platz 13 begnügen und verpasste so erneut die erhoffte Einzelmedaille. Zwar war die WM für den 28-Jährigen aus Uhingen zuvor zumindest zufriedenstellend verlaufen - nach dem Gold mit der Mixedstaffel blieb er als Neunter des Sprints und Zehnter in der Verfolgung aber hinter den Erwartungen zurück. Der Schwabe leistete sich zu viele Schießfehler - genau wie gleich zum Auftakt des Einzels. Zwei Patzer im ersten Liegendanschlag raubten ihm früh alle Hoffnungen auf einen Podestplatz. Immerhin: Danach zog er sein Rennen ohne Fehler durch und hatte im Ziel nach einer guten Laufleistung 1:40,5 Minuten Rückstand.

Benedikt Doll schaffte es fünf Tage nach seinem Sensationsgold im Sprint auf den 19. Platz. Den ersten WM-Titel seiner Karriere hatte der 26-Jährige ohne Patzer am Schießstand geschafft, am Donnerstag handelte sich der Schwarzwälder drei Strafminuten ein. Drei Patzer leistete sich Arnd Peiffer aus Clausthal-Zellerfeld bereits im ersten Schießen. Der 29-Jährige aus dem Harz, der wie Schempp zu Beginn schon Mixedstaffelgold gewonnen hatte, belegte am Ende mit vier Schießfehlern Rang 34. SID/nd

Im nd-Shop

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken