Von Susanne Steffen, Tokio

Samsung-Erbe verhaftet

Die Korruptionsaffäre der suspendierten Präsidentin Südkoreas trifft auch den inoffiziellen Chef des weltgrößten Smartphone-Herstellers

Lee Jae-Yong
Lee Jae-Yong

Der Erbe und inoffizielle Chef des Samsung-Konzerns, Lee Jae-Yong, ist verhaftet worden. Der südkoreanische Elektronikkonzern verkündete wenige Stunden nach der Festnahme alles zu tun, »was in unserer Macht steht, um dafür zu sorgen, dass die Wahrheit vor Gericht zum Vorschein kommt«.

Lee wird vorgeworfen, zwei nicht-gewinnorientierten Organisationen mit Spenden in Höhe von bis zu 41 Milliarden Won (33 Millionen Euro) versorgt zu haben, welche von Choi Soon-Sil, einer engen Vertrauten von Präsidentin Park Geun-Hye, geleitet werden. Unter anderem soll er Chois Tochter ein Pferd gekauft und ihre reiterliche Ausbildung finanziell unterstützt haben.

Konzernerbe bestreitet Vorwürfe

Im Gegenzug soll Lee die Unterstützung der Regierung für die Fusion zweier Samsung-Unternehmen erwartet haben. Die umstrittene Fusion fand bereits 2015 statt und diente Medienberichten zufolge hauptsächlich der Konsolidierung von Lees konzerninterner Machtposition. Bereits im Dezember hatte Lee vor dem Parlament einen Teil der Zahlungen zugegeben und bedauert, Chois Tochter finanziell unterstützt zu haben. Dass er eine Gegenleistung verlangt habe, bestreitet der 48-jährige Konzernerbe jedoch.

Im Januar hatte das Distriktgericht in Seoul einen Antrag auf Haftbefehl der mit dem Präsidentenskandal beauftragten Sonderermittler abgelehnt, mit der Begründung, es gebe nicht ausreichend Gründe für Lees Verhaftung. Am Freitag gaben die Richter einem neuen Antrag der Ermittler jedoch statt. »Angesichts eines neu hinzugekommenen Tatverdachts ist es notwendig, Lee zu verhaften«, erklärte ein Gerichtssprecher am Freitagmorgen. Nun haben die Ermittler 20 Tage Zeit, um Lee zu verhören und formell Anklage zu erheben.

Konsequenzen befürchtet

Beobachter gehen davon aus, dass Lees Festnahme auch die Ermittlungen gegen die Präsidentin beschleunigen wird. Im Dezember hatte das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, da sie ihrer Freundin Choi erlaubt haben soll, Einfluss auf die Regierungsgeschäfte zu nehmen, obwohl diese kein Amt inne hat. Seither ist Park von ihren Amtspflichten entbunden, bleibt aber weiterhin offiziell Präsidentin, bis das Verfassungsgericht die Amtsenthebung bestätigt oder für ungültig erklärt.

Analysten warnen, die jüngsten Entwicklungen könnten auch negative Auswirkungen auf den Samsung-Konzern und möglicherweise die ohnehin schwächelnde südkoreanische Wirtschaft haben. Samsung ist nicht nur der weltweit größte Smartphone-Hersteller und der größte Konzern des Landes, sondern ist auch für 20 Prozent der Exporte der ostasiatischen Wirtschaftsmacht verantwortlich.

Bevölkerung demonstriert

Sollte Lee tatsächlich längere Zeit in Haft bleiben, fehle dem Konzern ein oberster Entscheider, da der offizielle Konzernchef seit mehr als zwei Jahren nach einem Herzinfarkt nicht geschäftsfähig ist, warnt die japanische Wirtschaftszeitung »Nikkei«. Dies sei angesichts des äußerst personenbezogenen Führungsstils und der gegenwärtigen Probleme mit der Flaggschiff-Marke Galaxy besonders heikel, so die Zeitung weiter.

Auch Wirtschaftsverbände haben bereits mehr Vorsicht angemahnt. »Die Ermittlungen gegen Manager von global agierenden Unternehmen müssen mit Bedacht geführt werden«, zitierte die »Nikkei« den südkoreanischen Managerverband.

Unterdessen wächst der Unmut in der Bevölkerung. In den vergangenen Wochen gingen immer wieder Tausende Menschen auf die Straße, um gegen Korruption in der Politik, aber auch gegen die staatlich sanktionierte, undemokratische Bevorzugung der großen Konzerne zu protestieren. Immer wieder forderten die Demonstranten neben Parks Amtsenthebung auch Lees Festnahme.

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