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Castoren nun auch zu Wasser

Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW möchte Atommüll per Schiff über den Neckar transportieren - eine Premiere

Bei den Castortransporten steht eine Premiere an: 15 Behälter mit abgebrannten Brennstäben sollen demnächst auf dem Neckar vom stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim zum Zwischenlager am AKW Neckarwestheim verschifft werden - es wäre in Europa die erste Fuhre auf einem Binnengewässer. Der dem mehrheitlich grün-schwarz regierten Land Baden-Württemberg gehörende Energiekonzern EnBW plant insgesamt fünf Transporte per Schiff.

Das AKW Obrigheim wurde 2005 abgeschaltet. 2007 begann der Rückbau, der bis 2020 dauern soll und nach aktuellen Schätzungen mindestens eine halbe Milliarde Euro kostet. Da EnBW die Ausgaben für den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim scheut, sollen die 342 abgebrannten Brennelemente aus diesem Reaktor in Neckarwestheim eingelagert werden. Dort befindet sich in Tunnelröhren in einem Steinbruch ein genehmigtes Zwischenlager für Castoren.

Die Transportstrecke auf dem Neckar ist rund 50 Kilometer lang und führt überwiegend durch dichtbewohnte Gebiete, etwa den Großraum Heilbronn. Zudem gibt es sechs Schleusen und viele Brücken. Jeder Transport soll nach Angaben von EnBW rund zwölf Stunden dauern. Bereits im August 2016 war die Einlagerungsgenehmigung für die Obrigheim-Castoren in Neckarwestheim erteilt worden. Die Beförderungsgenehmigung durch das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit steht indes noch aus.

EnBW hat angekündigt, zuerst eine Probefahrt und -verladung mit drei leeren Castoren vorzunehmen. Das Transportschiff ohne eigenen Antrieb traf bereits am vergangenen Dienstag in der Region ein. Der 30 Jahre alte »Lastdrager 40« mit einer darauf montierten »Garage« für die drei Castortransporter wird vom Schubschiff »Edda« geschoben, das vor vier Jahren auf dem Mittellandkanal in Brand geraten war. Als Reserve für einen Ausfall fährt »Ronja« mit - ein Uralt-Schiff, das wie das AKW Obrigheim aus dem Jahr 1969 stammt und ebenfalls schon einen Unfall hatte.

»Nur weil EnBW Geld sparen will und deshalb keine eigene robuste Castor-Lagerhalle in Obrigheim baut, wird eine ganze Region den Gefahren der Atomtransporte ausgesetzt«, kritisiert Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation »ausgestrahlt«. Atomkraftgegner aus regionalen und überregionalen Initiativen haben das Bündnis »Neckar castorfrei« gegründet und Proteste gegen die Transporte angekündigt. Am 4. März ist eine Demonstration in Heilbronn geplant. Auch Aktionen an den Transporttagen selbst sind in Vorbereitung. Bündnissprecher Franz Wagner warnt, im Falle der Beschädigung eines Castors »würde der Neckar das radioaktive Material so weit verteilen, dass es nicht mehr zurückgeholt werden kann«. Eine radioaktive Verseuchung des Flussbetts, des Ufers und des Grundwassers bliebe auf Jahrzehnte bestehen.

Mit den 26 Castoren aus dem Ausland haben es Betreiber und Politik hingegen nicht mehr eilig. Die Transporte mit mittel- und hoch radioaktivem Atommüll aus den französischen und englischen Wiederaufarbeitungsanlagen sollen nicht vor dem Jahr 2019 abgewickelt werden, wie kürzlich verlautete. Die Castoren sollen, weil Gorleben im Zuge des Neustarts bei der Endlagersuche zunächst nicht mehr angefahren wird, in den Zwischenlagern an den AKW Philippsburg, Brokdorf, Biblis und Isar aufbewahrt werden. »Jahrelang hat man der Öffentlichkeit weismachen wollen, dass diese Castortransporte zügig zu erfolgen haben und dabei mit völkerrechtlich bindenden Verträgen argumentiert«, höhnt die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. In Gorleben habe es mit den Transporten nie schnell genug gehen können. Nun hätten die Lagerbetreiber aber noch nicht einmal Transportanträge gestellt. »Man fühlt sich nachträglich noch veräppelt«, sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.

Weiter umstritten ist derweil der Verbleib von 152 Castoren im ehemaligen Kernforschungszentrum Jülich, die Atommüll aus einem Versuchs-Hochtemperaturreaktor enthalten und nach geltendem Recht nicht exportiert werden dürften. Die Bundesregierung favorisiert jedoch eine Ausfuhr in die USA und versucht deshalb, den Reaktor nachträglich in ein Forschungskraftwerk umzudefinieren.

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